[ Passauer Neue Presse ] 26.08.2006
Alpinisten am Klettersteig vom Blitz getroffen
Bergsteiger erleiden Verbrennungen und Lähmungen - Mindelheimer Steig gilt als gefährlich - Drei Tote allein im Juli
Kempten/Oberstdorf. Bei einer Bergtour auf dem Mindelheimer Klettersteig in den Allgäuer Alpen sind am Donnerstag zwei Bergsteiger (33 und 34 Jahre) aus Lauingen und Gundelfingen von einem Blitz getroffen worden. Eineinhalb Stunden nach dem Unfall wurden die schwerverletzten Männer mit Hubschraubern in Kliniken nach Kempten und Oberstdorf geflogen.
Ein 33-Jähriger aus Lauingen, der sich gestern noch auf der Intensivstation des Oberstdorfer Klinikums befand, schilderte in einem Telefonat mit der Passauer Neuen Presse den Hergang des Unglücks. Er und sein ein Jahr älterer Kollege waren am Donnerstag bei strahlendem Sonnenschein zu der Tour auf dem Mindelheimer Klettersteig aufgebrochen. Weil beide Bergsteiger langjährige Erfahrung besitzen und bestens ausgerüstet waren, hatten sie die vier Stunden dauernde Tour ohne Sorge begonnen.
Und das obwohl der Mindelheimer Klettersteig unter Alpinisten sowohl als "Klassiker" wie auch als "Todesstrecke" gilt. Alleine im Juli dieses Jahres hatte es dort drei tödliche Unfälle gegeben. Der Klettersteig ist zwar über weite Strecken mit Drahtseilen gesichert, "dennoch darf dieses Gelände, das fast permanente Absturzgefahr, Steinschlag und besondere Blitzgefahr aufweist, nicht unterschätzt werden", warnt der Alpenverein.
Der Lauinger und sein Bergkamerad haben dies keineswegs getan, aber als sie etwa die Hälfte des Weges hinter sich gebracht hatten, zog plötzlich ein heftiges Gewitter auf. Die Bergsteiger hatten Gurte angelegt, sich mit den Karabinerhaken am Drahtseil in der Wand gesichert. "Dann ging im wahrsten Sinne des Wortes alles blitzschnell", beschreibt der 33-Jährige seine Erinnerung. Irgendwo über ihnen habe plötzlich der Blitz eingeschlagen. "Es gab einen grellen Lichtschein und einen gewaltigen Knall und wir wurden nach hinten weggeschleudert", erzählt der Lauinger. Ohne die Sicherungsgurte wären die beiden Männer in die Tiefe gestürzt, so blieben sie an den Sicherungen hängen. "Es war genau so, wie man es von schlechten Filmen her kennt."
Während sich der 33-Jährige zunächst unverletzt fühlte, hatte es seinen älteren Kameraden schwerer erwischt: "Er hatte ein taubes Gefühl im Gesicht, konnte einen Arm nicht mehr heben und das rechte Auge nicht mehr öffnen."
"Ich konnte mich aus eigener Kraft auf einen Felsvorsprung hochziehen. Wie durch ein Wunder war mein Handy trotz des Blitzschlages funktionstüchtig geblieben, so dass ich um Hilfe telefonieren konnte."
Wegen des extrem starken Gewitters konnten Helfer der Oberstdorfer Bergwacht die Verunglückten erst nach rund anderthalb Stunden erreichen und erstversorgen. Danach brachten zwei Hubschrauber die Verletzten in die Krankenhäuser in Kempten und Oberstdorf. Am Rettungseinsatz waren - neben den beiden Rettungshubschraubern - 40 Mann der Bergrettung Oberstdorf und Mittelberg sowie vier Notärzte beteiligt.
Der Lauinger, der durch den Blitzschlag Verbrennungen am rechten Arm erlitten hat und aus Vorsichtsgründen bis heute auf der Intensivstation an ein EKG-Gerät angeschlossen war, darf möglicherweise heute das Krankenhaus wieder verlassen. Sein Bergkamerad im Kemptener Klinikum muss sich erst noch Untersuchungen bei externen Spezialisten unterziehen, ehe die Ärzte über das weitere Vorgehen entscheiden.
- Robert Piffer -
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