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  [ Pipeline ] 08.07.2006

Unwetter über Berlin: Ausnahmezustand

Hamburg - Schwere Unwetter in vielen Teilen Deutschlands, Überschwemmungen in Österreich: Der Sommer zeigte sich von seiner gefährlichen Seite. In Ostbrandenburg wurde ein 47-Jähriger vom Blitz erschlagen.
 
Der Mann war am Freitagabend laut Polizei leblos im Freien gefunden worden. In der Nacht zum Samstag überfluteten schwere Regengüsse Straßen, Sturmböen entwurzelten Bäume und deckten Dächer ab. Eine gewaltige Unwetterfront versetzte Berlin am Freitagabend in einen siebenstündigen Ausnahmezustand. Mehrere Großveranstaltungen wurden abgesagt. Auf der WM-Fanmeile am Brandenburger Tor stand das Wasser zeitweise knöcheltief. In Teilen Österreichs richteten die Gewitter ebenfalls große Schäden an.
 
In Berlin mussten Polizei und Feuerwehr 1190 Mal ausrücken. Hier prasselten am Freitag zwischen 17.00 und 18.00 Uhr mehr als 30 Liter pro Quadratmeter nieder. Das entspricht nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia etwa der Hälfte der Regenmenge, die im Juli durchschnittlich in Berlin fällt. Mit mehr als 800 Kräften pumpten die Retter Hunderte Keller leer und räumten umgestürzte Bäume sowie weggeflogene Bauteile von den Straßen, teilte der Lagedienst am Samstag mit. Über Verletzte und die Höhe des Sachschadens lagen bisher keine Angaben vor.
 
Wegen der Regengüsse fielen aus Sicherheitsgründen das geplante deutsch- afrikanische Konzert im Rahmen der Fußball-WM sowie die Italienische Nacht bei den Classic Open Air Festival aus. Die FIFA sagte das Konzert auf der Fanmeile ab, weil die Bühne durchnässt war und Probleme mit der Elektrizität befürchtet wurden. Die Avus - die Stadtautobahn der Hauptstadt - war am Samstagvormittag laut Polizei überschwemmt und musste stadteinwärts gesperrt werden.
 
Im nordhessischen Korbach geht die Polizei nach ersten Schätzungen von «mehreren hunderttausend Euro» Schaden infolge der Unwetter aus. Binnen einer guten halben Stunde waren am Freitagmittag 60 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen. «Heute ist alles wieder normal, schönstes Wetter - als wäre nichts gewesen», sagte ein Polizeisprecher am Samstag.
 
In Potsdam überfluteten heftige Regengüsse und Gewitter in der Nacht zum Samstag Keller, Straßen und Tiefgaragen. Laut Wetterdienst Meteomedia fielen am Samstagmorgen in zwei Stunden 55 Liter pro Quadratmeter. So viel regnet es normalerweise im ganzen Juli.
 
Ein kräftiges Gewitter mit heftigen Regenfällen hielt am Freitagabend die Feuerwehren in Mainz und Umgebung in Atem. Auch in Thüringen und Sachsen-Anhalt wurden etliche Straßen überschwemmt und Bäume entwurzelt. In Havelberg kippte am Freitagabend ein Stück einer Häuserwand auf ein abgestelltes Auto, wie die Polizei mitteilte. In Thüringen waren vor allem die Regionen Gera und Bad Salzungen betroffen. Verletzt wurde niemand.
 
Neue schwere Unwetter richten in der Nacht zum Samstag in Teilen Österreichs große Schäden an. Ein heftiges Gewitter wütete im Bezirk Mürzzuschlag in der Obersteiermark. Dort trat nach stundenlangen Regenfällen ein Fluss über die Ufer. Auch in Nieder- und Oberösterreich führten die Gewitter zu Überschwemmungen und Strömen von Steinen und Sedimenten (Muren). Besonders betroffen waren nach Angaben der Feuerwehr die Orte Feldkirchen und Aschach an der Donau. Die heftigen Regenfälle brachten in Aschach ein Hallendach zum Einsturz. Mehr als 1700 Feuerwehrleute seien zu über 100 Einsätzen ausgerückt.
 
-dpa-


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