[ Die Welt ] 07.07.2006
Millionenschäden durch Unwetter
Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg besonders stark betroffen - Zwei Menschen werden schwer verletzt
Dortmund - Überschwemmungen, umgestürzte Bäume und Blitzeinschläge: Heftige Gewitter richteten in der Nacht zum Donnerstag im Süden und Westen Deutschlands Millionenschäden an. Mindestens zwei Menschen wurden lebensgefährlich verletzt. Besonders stark betroffen waren in Deutschland Baden- Württemberg und Nordrhein-Westfalen.
In Nordrhein-Westfalen wurde ein 43 Jahre alter Mann durch einen Stromschlag in einem überfluteten Keller lebensgefährlich verletzt. Er wollte in Wuppertal den Einsatzkräften helfen und ging trotz wiederholter Warnungen mit Hausschlappen in den Keller. Bei dem Stromschlag, den wahrscheinlich ein Verlängerungskabel auslöste, wurden auch zwei Feuerwehrmänner leicht verletzt. Am sauerländischen Sorpesee wurde ein 57jähriger vom Blitz getroffen, der unter einem Baum Schutz gesucht hatte. Er wurde schwer verletzt. In Lünen schlug in der Nähe eines Motorradfahrers ein Blitz ein. Der Mann klagte über ein Taubheitsgefühl im Arm. In Eschweiler bei Aachen schlug der Blitz in eine Kirche ein und brachte die elektrische Orgel zum Rauchen. Blitzschläge unterbrachen zudem in zahlreichen nordrheinwestfälischen Gemeinden die Stromversorgung. In Gelsenkirchen und Gütersloh mußten die Fan-Feste zum zweiten Fußball-WMHalbfinale abgesagt werden. In Steinheim konnten rund 200 Schweine aus einem brennenden Stall gerettet werden. Zehn Rinder kamen in den Flammen auf einem Hof in Brakel ums Leben. In Münster setzte ein Blitz den Dachstuhl eines Einfamilienhauses in Brand. In Dortmund bildete starker Hagel eine weiße Schicht auf dem Boden. Auf der Bahnstrecke zwischen Essen und Dortmund kam es wegen eines Blitzeinschlags in eine Signalanlage zu Verzögerungen.
In Baden-Württemberg waren mehrere Bundesstraßen - vor allem auf der Schwäbischen Alb und am Bodensee - über Stunden blockiert. Beim Brand einer Scheune bei Blumberg entstand ein Schaden von 250 000 Euro. Am Bodensee registrierte der Wetterdienst Meteomedia Sturmböen mit einer Geschwindigkeit von 146 Stundenkilometern. Eine Yacht geriet in Seenot, ein Katamaran kenterte, mehrere Boote rissen sich in den Häfen los. In Baden-Baden fielen innerhalb einer halben Stunde 31 Liter Regen pro Quadratmeter. Das Flüßchen Oos in der Kurstadt schwoll binnen einer Stunde so stark an, daß der Pegelstand von 16 Zentimetern auf 1,30 Meter stieg. In Hessen beendeten schon am Mittwoch abend Gewitter mit viel Regen die fast tropische Hitze. Im Landkreis Kassel schlug der Blitz in zwei Wohnhäuser ein. In Limburg wurden Alarmmelder durch Blitzeinschlag ausgelöst. Die Autobahn 3 von Frankfurt nach Köln war zeitweise überflutet. Überschwemmte Straßen und entwurzelte Bäume hielten auch in Bayern die Feuerwehren in Atem. Allein im Raum Würzburg fiel in einer Stunde so viel Regen wie sonst in einem halben Monat.
-DW-
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