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  [ Freies-Wort ] 27.06.2006

Blitz schlug neben dem Bett ein

Unwetterfront hinterließ Sachschäden

In der Nacht zum Montag krachte es im gesamten Kreisgebiet, als eine breite Gewitterfront mit unwetterartigen Regenfällen und Windböen vorüberzog. Besonders schlimm traf es ein Ehepaar aus Steinach, in deren Haus der Blitz eingeschlagen hat.
 
LANDKREIS SONNEBERG – Helene und Alfred Braunstein stehen da wie vom Donner gerührt. Eigentlich wohnen sie idyllisch, hoch über Steinach. Ein paar Meter weiter beginnt der Wald. Vögel zwitschern.
 
Heute jedoch ist alles anders: Die Szenen der letzten Nacht haben sich dem Steinacher Ehepaar tief ins Gedächtnis gegraben: "Es hat gekracht und gebrannt in einem. Für einen kurzen Moment war alles hell erleuchtet. Ich habe nur noch geschrien: ‚Es brennt, es brennt!‘", erinnert sich Helene Braunstein an den Schrecken nach dem Einschlag.
 
Der Blitz hatte zuvor einen kleinen Teil des neuen Daches etwa 15 Meter weit weggesprengt und war im Schlafzimmer zwei Meter neben dem Ehebett mit den schlafenden Braunsteins aufgeschlagen. Das Loch im Giebel ist fast so groß wie ein Fußball. "Eine Minute vorher stand ich noch am Fenster, wo es dann passiert ist. Da habe ich zweimal wahnsinniges Glück gehabt." Man kann Helene Braunstein die Fassungslosigkeit noch ansehen. Das Grausen sitzt tief bei ihr.
 
Vor dem Haus stapelt das Ehepaar die verschmorten Bettdecken: „Damit hab ich versucht, das Feuer in der Schlafstube zu ersticken.“ Alfred Braunstein hat geistesgegenwärtig richtig gehandelt und bekam den leichten Schwelbrand unter Kontrolle. Aber auch er ist von den Ereignissen der letzten Nacht gezeichnet: „Wenn wir Pech gehabt hätten, wären wir jetzt nicht mehr da“, bibbert er.
 
Der materielle Schaden am Haus der Braunsteins ist derweil erheblich: Den weißen Putz hat es teilweise weggesprengt, „die Elektronik ist komplett hin. Die Sicherungen sind verschmort, das Dach zerstört.“
 
Selbst Telefon und elektrische Haushaltsgeräte hat es erwischt: „Wir sind momentan total von der Außenwelt abgeschnitten. Kein Strom, gar nichts.“
 
Bei den Nachbarn der Braunsteins ist der Schreck nicht nur in die Glieder, sondern der Blitz auch in die Heizung gefahren. „Wir standen plötzlich aufrecht im Bett. Zuvor hatte sich das Gewitter wieder etwas beruhigt. Dieser Einschlag kam deshalb völlig unerwartet“, weiß eine Anwohnerin.
 
10 000 Euro Schaden
 
Die Braunsteins haben unterdessen ihre Versicherung verständigt. Die örtliche Fachfrau Roselinde Welsch begutachtet den Schaden. Freilich bemühe man sich, zu helfen; die „tatsächlichen Ausmaße müssen aber vom Fachmann festgestellt werden.“ Der Gutachter ist unterwegs. In einer ersten, vorsichtigen Schätzung beziffert Welsch die Schadenshöhe allein für das Anwesen der Braunsteins auf mehrere tausend Euro – die Elektronik noch nicht mitgerechnet. Im Polizeibericht ist gar von „circa 10 000 Euro“ die Rede.
 
Auch, wenn es die Braunsteins besonders schlimm getroffen hat – in anderen Orten des Kreises wütete die heftige Gewitterfront nicht minder stark. Der Polizeibericht vermerkt eine wilde Nacht zwischen Neuhaus am Rennweg und Rotheul, zwischen Hasenthal und Bachfeld:
 
Im Schaumberger Land fällte der Wind einen Baum auf der Straße zwischen Rauenstein und Theuern sowie zwischen Schalkau und Almerswind. In Jagdshof hielt ein Lichtmastkabel den Windböen mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern nicht stand.
 
An der Sonneberger Kreuzung zwischen Juttastraße und Bahnhofstraße riss der starke Regen einen Gullydeckel aus der Verankerung, Wasser schoss auf die Straße. Zwischen Sonneberg und Judenbach versperrte ein Baum die Straße, genau wie auf der Hämmerer Ebene zwischen Steinach und Mengersgereuth-Hämmern Im Sonneberger Straßenbauamt beklagt man ein umgestürztes Verkehrszeichen in der Bettelhecker Straße. Auch über die Rennsteigregion rollte die Gewitterfront und entwurzelte einen Baum zwischen Eschenthal und Georgshütte. Die Feuerwehren des Landkreises waren im Dauereinsatz.
 
Wetter wird extremer
 
Jene Unwetter werden in der Region zunehmen: „Für das Jahrzehnt zwischen 1990 und 2000 verzeichnen wir einen Temperaturanstieg von 0,7 Grad. Man kann sagen, dass alles stürmischer wird. Extremer ist aber der bessere Ausdruck“, so Sabine Liebmann, technische Assistentin für Meteorologie an der Wetterwarte Neuhaus.
 
Rico Großmann, der Stadtbrandinspektor aus Sonneberg, stimmt die Menschen auf weitere solche Ereignisse wie das der letzten Nacht ein: „Das, was uns seit Jahren angekündigt wird – das wir auch in Mitteleuropa zukünftig größere Wetterkapriolen erleben werden, tritt nun ein. Wir müssen uns sowohl als Feuerwehrleute wie auch als Bürger darauf einstellen.“ Großmann bittet um Verständnis: „Ich bin auch für meine Männer verantwortlich. Deshalb kommen wir erste dann zum Einsatz, wenn der Sturm abebbt.“
 
Stecker aus der Dose
 
Olaf Werner von E.on Thüringer Energie empfiehlt grundsätzlich, „bei einem aufkommenden Gewitter immer alle Stecker von Elektrogeräten zu ziehen. Nur dann gibt es Sicherheit“. Auch Blitzableiter seien „nicht immer ein voller Schutz. Trotzdem kann man sagen, dass ein Blitzableiter an einem Haus das Risiko um etwa 85 Prozent verringert“.
 
Den Braunsteins ist diese Mathematik vorerst schnuppe. Sie haben genug damit zu tun, den Blitz-Schock der letzten Nacht zu verdauen. Ihr Glück wissen sie zu schätzen.: „Technik kann man reparieren. Das Leben aber nicht.“
 
-TOBIAS ROSS-


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