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  [ Main Rheiner ] 18.08.2005

Ein Hahn - vom Blitz getroffen

Die Sanierung der evangelischen Kirche in Bierstadt verläuft nach Plan, der Turm soll im Oktober fertig sein. Jetzt wurde der Wetterhahn auf der Turmspitze demontiert, er muss nach einem Blitzschlag zum Schlosser.

Majestätisch, aber unbeweglich thront der goldene Wetterhahn hoch über den Dächern von Bierstadt. Schon seit Jahren dreht sich der Kopf des Kirchenwahrzeichens nicht mehr, zeigt stets nach Nordwest. Aber das soll sich ändern. Während die Kirchenglocken neunmal schlagen, sucht der Industriekletterer Rainer Weitz vorsichtig einen Weg bis auf den höchsten Punkt des 36 Meter hohen Turms. Nur einige Haken im glatten Schieferdach der Kirchturmspitze geben ihm dabei Halt - und das Seil, das sein Kollege bereits am schmiedeeisernen Drehkreuz auf der Spitze befestigt hat. Wie sich zeigt, muss der Wetterhahn abgenommen werden. Ein Blitzschlag hat die Halterung stark beschädigt. Der Hahn muss zum Schlosser.

Die Aktion der beiden Industriekletterer ist Teil der umfangreichen Sanierungsarbeiten, die seit Ende Juni an der evangelischen Kirche in Bierstadt laufen. "Der obere Teil des Turms ist schon fast fertig", sagt Kirchenvorsteher Werner Born. Bis Mitte Oktober sollen die Arbeiten am gesamten Turm beendet sein. Architekt Karl-Eberhard Lauer sieht da keine Probleme: "Alles läuft absolut nach Plan", sagt er.

Vor allen Dingen muss die Fassade neu verfugt werden, Steine und Mörtel begannen sich zu lösen und drohten herab zu stürzen. Auch einige der Natursteine sind zu ersetzen. Die Fugen werden mit einem speziellen Gemisch, dem so genannten hydraulischen Kalkmörtel gefüllt. Der nimmt später Wasser auf und gibt es wieder ab, die Steine sind so vor weiteren Schäden geschützt. Schwere Jutesäcke hängen vor den frisch verfugten Stellen. Sie sollen den Mörtel möglichst lange feucht halten, da sonst der Kalk nicht richtig abgebunden wird, sagt Lauer. Sogar zwei Jugendliche aus der Gemeinde wurden angestellt, um den Mörtel am Wochenende mit Wasser feucht zu halten.

Obwohl die Schäden teilweise beträchtlich sind, rechnet Lauer damit, im Rahmen des Finanzplans bleiben zu können. Einen Anteil von rund 150000 Euro muss dazu aber die Gemeinde selbst aufbringen. Etwa 70000 Euro konnte der eigens dafür gegründete Förderkreis "Erhalten helfen - Wiesbadens älteste Kirche in Not" bisher sammeln. "Es ist wichtig, die Angelegenheit über Bierstadt hinauszutragen", meint Dieter Stasch, der Vorsitzende des Förderkreises. "Die Kirche ist ein Kleinod für ganz Wiesbaden." Mit fast 1000 Jahren ist sie das älteste Gebäude der Stadt. Nächstes Jahr soll dann die Sanierung des ebenfalls stark beschädigten Kirchenschiffs in Angriff genommen werden. Die Restaurierung des vor zwei Jahren entdeckten historischen Fugennetzes ist im aktuellen Plan noch nicht inbegriffen.

- Johanna Dupré -


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