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Hamburger Abendblatt ] 10.05.2005
Mädchen vom Blitz getroffen
Elmshorn: Schock im Kindergarten: Dreijährige suchte Schutz unter Baum - Lebensgefahr. Bereits das zweite Unglück in drei Tagen.
Grünlas - Was haben Fliegen und Gewitter gemeinsam? Sie kommen mit den ersten warmen Sonnenstrahlen. Aber sind Fliegen nur lästig, so können Blitz und Donner richtig gefährlich werden und immensen Schaden anrichten. Viele Grünlaser können seit Sonntag ein Lied davon singen.
Elmshorn - Ein tragischer Unglücksfall erschüttert Elmshorn: Ein drei Jahre altes Mädchen ist gestern im Außengelände des DRK-Kindergartens am Krückaupark von einem Blitz getroffen und lebensgefährlich verletzt worden. Mehrere Kinder erlebten den schrecklichen Vorfall hautnah mit. Erst Sonnabend war im Nachbarort Kiebitzreihe eine Handball-Trainerin vom Blitz getroffen worden.
Das Außengelände der Kindertagesstätte direkt gegenüber dem Badepark ist ein wahres Paradies. Schaukeln, Sandkiste, Rutsche - alles ist da, was das Kinderherz höher schlagen läßt. Gestern, um kurz nach 13 Uhr, tobten mehrere Jungen und Mädchen ausgelassen herum. Das Wetter hatte sich aufgeklart, die Sonne war kurz herausgekommen. Allerdings schob sich drohend eine dunkle Wolke heran. Für die Erzieherinnen das Signal, die Spielgeräte einzusammeln und die Kinder hereinzuholen.
Offenbar begann es dann zu regnen, und das kleine Mädchen suchte unter einem großen Baum Schutz. Mit einem Gewitter rechnete niemand - der einzige Blitz hatte tragische Folgen: Er schlug um 13.26 Uhr in den Baum ein und traf auch das Kind. Ein Vater, der gerade seinen Sprößling abholen wollte, wurde Zeuge das Geschehens und begann geistesgegenwärtig, das besinnungslos zu Boden gesunkene Mädchen zu beatmen. Mehrere Rettungs- und Notarztwagen rasten daraufhin zum Kindergarten, ein weiteres Notärzteteam wurde mit dem Rettungshubschrauber eingeflogen.
Um 14.04 Uhr gelang es den Medizinern, die Dreijährige wiederzubeleben. Mit Decken vor den Blicken Neugieriger geschützt, wurde sie zum Hubschrauber getragen und in die Uniklinik Eppendorf geflogen. Für das Mädchen, das außerdem Verbrennungen zweiten Grades erlitt, besteht Lebensgefahr. Die Eltern wurden von der Polizei ins Krankenhaus gebracht.
Zum Zeitpunkt des Unglücks wurden 30 Kinder im Hort betreut. Die meisten bekamen davon nichts mit, daher blieb die Einrichtung regulär bis 17 Uhr geöffnet. Alle Kinder wurden von einem Notfallteam der Kinderklinik Itzehoe untersucht. Der Vorfall sprach sich in Windeseile herum. Ständig wurden Kinder von ihren geschockten Eltern abgeholt. Äußern wollten sie sich nicht - genausowenig wie die Erzieherinnen. Ein Vorwurf wegen Verletzung der Aufsichtspflicht ist ihnen nicht zu machen. "Das ist ein Unglücksfall. Wir leiten kein Ermittlungsverfahren ein", so Polizeisprecherin Sabine Zurlo.
Erst vor drei Tagen schlug in Kiebitzreihe ein Blitz in den Schirm einer Handballtrainerin ein. Auch sie wurde lebensgefährlich verletzt. Auskünfte zu ihrem Gesundheitszustand waren gestern nicht zu bekommen. Ebenfalls Sonnabend traf ein Blitz ein 279 Jahre altes Reetdachhaus am Elmshorner Adenauerdamm, das niederbrannte.
- Arne Kolarczyk -
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