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  [ SZ Online ] 10.07.2004

Rasanter als zur Jahrhundertflut

Heftigere Niederschläge als 2002 verursachten in der Nacht zu Freitag schwere Zerstörungen

Im Freistaat haben heftige Gewitter und starke Regenschauer in der Nacht zu Freitag zahlreiche Sachschäden angerichtet. Besonders betroffen waren das Osterzgebirge sowie Teile der Sächsischen Schweiz. Allein in Zinnwald gingen 80 Prozent der Niederschlagsmenge des Monats Juli nieder.

Schlimmer als zur Augustflut vor zwei Jahren seien die Zerstörungen an ihrem Hotel und Gaststätte „Zum Erzgebirge“ in Altenberg, beklagt Inhaberin Manuela Giemsa. In den späten Abendstunden des Donnerstags prasselten hier so starke Niederschläge herab, dass sich auf der B 170 vor dem Haus ein See gebildet hatte. Schnell drang das Wasser ins Haus, stand nach kurzer Zeit bis zu 20 Zentimeter hoch im Gastraum.

Bange Erinnerungen an die Unwetterereignisse im Sommer 2002 hegten viele Menschen im oberen Osterzgebirge, im Müglitz- und im Lockwitztal. Wieder wurden Stützmauern eingerissen, Straßen mit Geröll und Schlamm zugeschüttet, liefen Keller voll Wasser. Nach Informationen des Deutschen Wetterdienstes Leipzig fielen in Zinnwald 75 Liter Regen pro Quadratmeter. Das entspricht hier nach Worten des Meteorologen Eberhard Weisbrich etwa 80 Prozent der Niederschlagsmenge des Monats Juli.

Lothar Schirrmeister, Beobachter der Station Zinnwald, weist in diesem Zusammenhang noch auf eine Besonderheit hin: Während bei der Augustflut die höchste Stunden-Niederschlagsmenge 30 bis 35 Liter pro Quadratmeter betrug, wurden Donnerstagnacht in der Zeit von 22 bis 23 Uhr sogar 67 Liter gemessen. Vor allem dadurch seien die Geröllmassen losgelöst worden.

Blitzschlag in Trafostation, Gullydeckel fliegen hoch

Auch wieder betroffen: die Müglitztalbahn. Bei Oberschlottwitz ging in der Nacht gegen zwei Uhr nach Informationen von Bahnsprecherin Kerstin Eckstein eine Gerölllawine ab, die etwa 500 Meter Schienenbett verschüttete und die so genannte Bettungskante wegspülte. Die Aufräumarbeiten dauerten bis gestern Abend an, zwischen Heidenau und Altenberg verkehrte Schienenersatzverkehr. Ab heute soll die Bahn wieder planmäßig verkehren.

Nicht allein die Niederschläge machten zahlreiche Einsätze von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk und anderen Einsatzkräften erforderlich. Durch Blitzschlag wurde in Cunnersdorf bei Glashütte um 22.12 Uhr ein Trafo ausgeschaltet. Der Schaden konnte relativ schnell behoben werden, sagte Esag-Sprecherin Claudia Kuba. Für 45 Kunden allerdings habe die Stromversorgung über ein Notstromaggregat organisiert werden müssen. Sie konnten ab 3 Uhr wieder versorgt werden. Durch Bäume, die in Freileitungen fielen, kam es auch zu weiteren kurzzeitigen Unterbrechungen der Stromversorgung, so unter anderem in Berggießhübel, Bad Gottleuba, Hinterhermsdorf und Dürrröhrsdorf-Dittersbach.

Glimpflicher ging das Unwetter in der Landeshauptstadt und angrenzenden Regionen ab. In Dresden und Heidenau liefen in einigen Fällen Unterführungen mit Wasser voll, so dass Personenwagen befreit werden mussten, die teils einen Meter tief im Wasser standen. Vielfach wurden auch Gullydeckel durch Wassermassen nach oben gedrückt. Im Chemnitzer Raum und Vogtland ging nach Informationen aus dem Innenministerium das heftige Gewitter bereits gegen 20 Uhr nieder. In Chemnitz zerstörte ein umfallendes Gerüst Pkws, im Zwickauer Land schlug ein Blitz in ein Einfamilienhaus ein.

Personen seien jedoch nirgendwo zu Schaden gekommen.

- cl & ms -


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