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FAZ.NET ] 09.06.2004
Gewittersturm richtet Chaos an
Eines der schwersten Gewitter der vergangenen Jahre ist am Mittwoch über Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen hinweggefegt. Der Wind riß Bäume um, Blitze setzten Häuser in Brand, Keller liefen voll, abgebrochene Äste zerlegten Autos, Straßen und Bahnlinien wurden gesperrt. Ein sieben Jahre alter Schüler aus Bad Bramstedt wurde bei einem Unfall schwer verletzt.
Die Feuerwehren fuhren über 700 Einsätze und waren den ganzen Tag mit Aufräumen beschäftigt. Allein in Hamburg mußte die Feuerwehr innerhalb von zwei Stunden zweihundertmal ausrücken. Besonders schlimm waren auch das südliche Schleswig-Holstein und das nördliche Niedersachsen betroffen. Die Schäden gehen in die Millionen.
Der wohl größte Schaden entstand in Gettorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde: Dort verbrannte nach Angaben der Polizei eine hundert Meter hohe Windkraftanlage im Wert von zwei Millionen Euro. Vorher war ein Blitz in die Anlage aus brennbarem Glasfaserkunststoff gefahren. Die Feuerwehr ließ die zwei Megawatt-Anlage kontrolliert abbrennen. Im Kreis Pinneberg nahe Hamburg gab es 300 Einsätze allein für die Feuerwehren. Bäume wurden entwurzelt, teilweise fiel der Strom aus. Gullydeckel wurden hochgedrückt, Keller liefen voll, Dächer wurden abgedeckt. In Bad Bramstedt übersah ein Lkw-Fahrer wegen des schlechten Wetters einen sieben Jahre alten Jungen auf dem Radweg und verletzte ihn schwer.
Auch die Bahn war betroffen: In das Stellwerk Pinneberg schlug der Blitz ein, so daß der Zugverkehr zwischen Hamburg und Kiel/Westerland für Stunden lahmgelegt war. Auch auf der Strecke Hamburg - Berlin kam es wegen umgewehter Bäume zu Störungen, die Strecke Stade - Cuxhaven wurde vorübergehend eingestellt. Bei Pinneberg wurde die Autobahn zeitweise gesperrt.
In Hamburg wurde es gegen 7.30 Uhr morgens schlagartig so dunkel, daß die Straßenlaternen wieder angingen. Zwei Dachstühle wurden vom Blitz entzündet. Zahlreiche Keller liefen voll. Ein Toilettenhäuschen wurde auf ein Auto gewirbelt, in Wohnlagen wurden Bäume entwurzelt. In Niedersachsen war vor allem der Nordwesten betroffen: Im Raum Cuxhaven-Stade entwurzelten die Sturmböen Hunderte von Bäumen und richteten zum Teil erheblichen Schaden an. Von einem Stallgebäude in der Ortschaft Hemmoor wehte der Sturm Dachplatten durch das Fenster eines mehr als 20 Meter entfernten Hauses. Die Bewohnerin erlitt Schnittverletzungen durch das splitternde Glas.
Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes kam es an der gesamten Nordseeküste zu schweren Gewittern mit Hagel und Sturmböen sowie kräftigem Regen zwischen 26 und 30 Litern pro Quadratmeter. Spitzenreiter war Freiburg an der Niederelbe mit 37 Litern. Für die nächsten Tage sagen die Wetterforscher Schauer und Gewitter sowie deutlich niedrigere Temperaturen voraus.
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