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HAMBURGER ABENDBLATT ] 10.06.2004
Eine Spur der Verwüstung
Unwetter: Orkanböen und Regenfluten - 1000 Feuerwehrleute waren gestern kreisweit im Einsatz
Kreis Pinneberg - "Ich stand in der Küche, sah den Blitzeinschlag - und dann kam der Baum genau auf mich zu!" So erinnerte sich die Kummerfelderin Gabriela Schöppler (42) am Mittwochmorgen an jenen Moment des Schreckens zwei Stunden zuvor, den sie ihr Lebtag wohl nicht vergessen wird. Sie und ihr Freund Bernd Fiedler (54) wurden vom verheerenden Gewittersturm buchstäblich am härtesten getroffen: Eine mächtige Esche, wohl mehr als 25 Meter hoch, stürzte gegen 7.30 Uhr nach einem Blitzschlag mitten auf das historische Reetdachhäuschen des Paares an der Dorfstraße, das älteste Gebäude des Dorfes. "Alles ist kaputt: Das Dach, unsere Autos, der Anhänger, alle Dinge auf der Terrasse", bilanzierte Gabriela Schöppler die fatalen Folgen dieses schrecklichen Morgens.
Bernd Fiedler verschlief im Obergeschoss den folgenschweren Einschlag des Baumriesen direkt neben ihm, wurde von der Freundin aus dem Schlaf gepaukt. "Die Decke ist runtergekommen", so der Hausbesitzer, "als ich rausguckte, war die Straße völlig unter Wasser. Der Himmel war tiefschwarz. Sowas habe ich noch nie erlebt."Der 54-Jährige blieb wie seine Freundin, der Hund und die Katzen unverletzt. In Kummerfeld mussten die Freiwilligen Feuerwehren, die kreisweit bis in die Mittagstunden zu mehr als 300 Einsätzen ausrückten, diverse Schäden beseitigen.
Flächenmäßige Verwüstungen, die an Bilder aus den Tornadogebieten der USA erinnerten, hinterließ die Gewitterfront vor allem auch in Neuendeich in der Elbmarsch. Reihenweise stürzten Bäume um, rissen dicke Äste ab, flogen Stellschilder und Dachteile durch die Luft. Das Dach einer älteren Scheune an der Straße Rosengarten fiel völlig ineinander, ebenso brach eine Scheune in Schadendorf in sich zusammen.
Auch im benachbarten Uetersen hinterließen die Orkanböen Verwüstungen. Keller und Straßen unter Wasser, zahllose große Äste wurden abgerissen und fielen auf Gebäude wie in der Mühlenstraße. Dort wurden Autos eines Gebrauchtwagenhandels unter dem Astwerk begraben.
Anderenorts mussten die Kräfte der Feuerwehren von 7.15 Uhr an im Minutentakt zu Lenzeinsätzen ausrücken. Keller und Unterführungen wie an der Hamburger Straße in Elmshorn liefen voll. Überall kam es zu Verkehrsbehinderungen.
Auf der Autobahn 23 bildete sich ein bis zu zehn Kilometer langer Stau Richtung Norden, nachdem zwischen Pinneberg-Mitte und Pinneberg-Nord ein Baum auf die Fahrbahnen gestürzt war. Äste versperrten auch die S-Bahn-Strecke zwischen Halstenbek und Elbgaustraße, wo über Stunden Ersatzbusse eingesetzt wurden.
Eine derartige Häufung der Einsätze gab es seit Jahren im Kreisgebiet nicht mehr, so Feuerwehrsprecher Michael Bunk. "Insgesamt dürften an die 1000 Männer und Frauen aus 31 Wehren im Einsatz gewesen sein."
- Bernd-Olaf Struppek, Manfred Augener -
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