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SZ-online ] 02.05.2004
Windrad-Crash hat ein Nachspiel
Zwei Unfälle innerhalb weniger Wochen / Landratsamt drängt auf Aufklärung / Innenministerium informiert
WETRO. Zwei Unfälle beunruhigen die Bevölkerung. Nach Blitzeinschlägen brachen innerhalb weniger Wochen zwei Rotorblätter von Windrädern bei Wetro ab. Das Landratsamt fordert Aufklärung vom Betreiber der Anlage und informierte das sächsische Innenministerium.
Es muss nachts passiert sein: An einem der Windräder bei Wetro (Gemeinde Puschwitz) war lautes Knirschen zu hören. Ein Rotorblatt knickte ab und ein zehn Meter langes Teilstück stürzte zu Boden. Das Unglück ereignete sich in der Woche vor Ostern. Tage zuvor hatte ein Blitz in das Windrad eingeschlagen. „Die Schmauchspur war an dem Flügel deutlich zu erkennen“, sagt Mühlenwart Stanislaus Ritscher. Bereits Wochen zuvor ereignete sich ein ähnlicher Vorfall an einem anderen Puschwitzer Windrad: Mitte Februar schlug der Blitz ein und in den frühen Morgenstunden des 22. Februar krachte ein riesiges Teil eines Rotorblattes zu Boden. Verletzt wurde bei dem Sturz des kiloschweren Teils glücklicherweise niemand.
Der Mühlenwart bestreitet, dass eine Gefährdung für Menschen bestand. „Die Windräder stehen weit entfernt von bewohntem Gebiet. Da kann nichts passieren.“ Viel gefährlicher sei es, unter Bäumen spazieren zu gehen. Da könne öfter ein Ast herunterfallen. Auch Alexander Trunz, Experte für Windkraftanlagen beim Tüv Bayern, hält die Gefahr, dass Menschen durch Rotorbruch zu Schaden kommen, für wenig bedeutend. „Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand getroffen wird, ist sehr gering. Die Anlagen stehen meist auf Gelände, wo niemand unterwegs ist. Mir ist auch kein Fall bekannt, wo jemand durch herabstürzende Teile verletzt wurde.“
Die dänische Firma Vestas, Hersteller der Puschwitzer Windräder und weltweiter Marktführer auf diesem Gebiet, versucht die technischen Probleme nach Blitzeinschlägen in den Griff zu bekommen. „In den Rotorblättern befinden sich Blitzableiter, die die Energie auf den Mast und dann in die Erde übertragen“, sagt Andreas Eichler, Sprecher von Vestas Deutschland. Er räumt aber ein, dass man gegen starke Blitze machtlos sei. Infolge dieser Einschläge komme es zu Absplitterungen und sogar Abbrüchen von Rotorblättern. Vom Betreiber des Windparks Puschwitz, der Firma GFH, war keine Aussage zu den Vorfällen zu bekommen. Das Landratsamt Bautzen hingegen nimmt die Vorfälle ernst. „Wir haben das sächsische Innenministerium informiert. Wir wollen erreichen, dass der Betreiber die genaue Ursache ermittelt und den gefahrlosen Betrieb sicherstellt“, sagt Olaf Reichert, persönlicher Mitarbeiter des Landrates. Letzteres sei umso wichtiger, da das Gelände des Puschwitzer Windparks nicht eingezäunt sei. Ob allerdings regelmäßige Kontrollen Unfälle wie die in Puschwitz verhindern, ist fraglich. Denn kurz vor dem ersten Vorfall wurden die Windräder von einer Prüfkommission untersucht. Beanstandungen gab es keine.
- Thomas Drendel -
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