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SZ Online ] 03.03.2004
Unglück offenbart Zusammenhalt
Tragischer Brand und Wiederaufbau des Holzhauses einer Weißkollmer Familie
Ein echtes finnisches Holzhaus findet man selten - in Weißkollm nur ein einziges Mal. Familie Strempel verbindet dem Eigenheim allerdings nicht nur positive Erinnerungen: Nach einem katastrophalen Brand mussten sie noch einmal komplett von null anfangen.
Anne Strempel schlief seelenruhig im Bett, als sich mit ohrenbetäubendem Knall ein Blitz durch das Dach des Einfamilienhauses den Weg in ihr Zimmer bahnte. Wie durch ein Wunder passierte der 16-Jährigen nichts. Aber um das Holzhaus ist es geschehen. 45 Feuerwehrleutekämpften fünf Stunden gegen Flammen - vergeblich.
Die starken Schäden ließen nur noch einen Abriss des 140 Quadratmeter großen Prachtbaus zu. Während des Unglücks war das Ehepaar Strempel allerdings nicht in den heimischen vier Wänden, sondern verbrachte im Schwarzwald ahnungslos seinen Urlaub. Mit einem Schaudern erinnert sich Manfred Strempel an die verhängnisvolle Nacht im Juli 2002: „Meine Frau und ich erfuhren es per Telefon. Sie hat sofort die Koffer für die Rückfahrt gepackt.“ Wieder zuhause angekommen konnte die Familie ihren Augen nicht trauen. Das Dach war abgebrannt; Möbel und Elektronik aus den oberen Räumen waren größtenteils Staub und Asche - den Rest des Hauses hüllte eine dicke Rußschicht in dunkles Grau. Alles wofür die Familie unter Entbehrungen geschuftet hat, lag verkohlt zu ihren Füßen. „Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben“, schüttelt der Vater den Kopf. „Damals habe ich mir geschworen das Haus wieder aufzubauen.“
Beim Hausbau selbst kräftig mit zugepackt
Rückblende: Als bei Strempels vor zehn Jahren der Entschluss gefasst wurde, sich ein Eigenheim zu schaffen, lebte die fünfköpfige Familie noch in einer kleinen Lohsaer Wohnung. „Es wurde einfach zu eng - etwas Größeres musste her. Irgendwann wurden wir durch unseren Vermieter auf die Idee mit dem Blockhaus gebracht und waren sofort begeistert“, schildert das Familienoberhaupt die Anfänge der Geschichte. Im August 1994 konnte mit dem Bau des Blockhauses auf einem geerbten Grundstück endlich begonnen werden - ganz auf finnische Art. Eine entsprechende Baufirma aus Finnland zeichnete sich für den Rohbau verantwortlich und als Material diente natürlich hochwertiges Kiefernholz aus dem kalten Norden Skandinaviens. Dabei saß die Familie jedoch nicht untätig herum, während die neuen vier Wände in den Himmel wuchsen, sondern packten kräftig mit an: Innenverkleidung, Türen, Fenster und Dach wurden quasi in Eigenregie fertiggestellt - mit tatkräftiger Unterstützung der Verwandtschaft. „Wir hatten vorher keine Ahnung von Holzbauten und mussten uns unser Wissen selbst erarbeiten.“ Vier Monate später stand das imposante Haus und bot Strempels ein Dach über dem Kopf. Bis zur schlimmen Gewitternacht.
Abriss „fast schlimmer als der Brand selbst“
Nach der Katastrophe fingen die Querelen an - mit der Bürokratie. „Es gab eine Menge Verzögerungen wegen unserer Versicherung und Bank“, erinnert sich Manfred Strempel an den Papierkrieg. „Die Kommunikation war einfach miserabel. Klare Verhältnisse gab es lange Zeit nicht.“ Am schlimmsten war für die Familie jedoch die Ungewissheit, ob und wann mit dem Bau begonnen werden konnte, denn ohne konkrete Zusagen seitens der Versicherung und Bank wollte die Baufirma keinen Finger krumm machen. Nach einigen direkteren Worten an die verantwortlichen Geldgeber kam die Verwaltungsmaschinerie schließlich doch noch in Gang. Im November 2002 konnte endlich mit dem Abriss der Überreste des Hauses angefangen werden. „Das war fast noch schlimmer als der Brand selbst - den Abriss konnte ich einfach nicht mit ansehen“, seufzt Manfred Strempel.
Allerdings erfuhr die Familie auch eine unglaubliche Solidarität. Fleischerfamilie Rockott bot den Leidtragenden, die plötzlich obdachlos waren, vorübergehend eine Wohnung an und half ihnen so, wieder auf die Beine zu kommen. Der Rest des Dorfes stärkte der Familie den Rücken mit Trost, aber auch mit konkreten Hilfsangeboten. Gestaunt hat Manfred Strempel, als eines Tages zwei Nachbarinnen mit einem großzügigen Betrag gesammelter Spenden von Freunden, Nachbarn aber auch unbekannten Helfern aus Weißkollm vor der Tür standen: „Das war wirklich eine Überraschung und hat uns gezeigt, dass wir nicht allein dastehen.“ Im Dezember wurde das 200 000-Euro-Bauvorhaben schließlich angegangen. Dabei profitierte Familie Strempel nicht zuletzt von ihren erworbenen Kenntnissen bei der Arbeit mit den entsprechenden Materialien und Techniken: „Die Baufirma hatte dieses mal keine Ahnung von Holzbauten, so dass wir die Handwerker selbst ein wenig angelernt haben“, lacht der erfahrene Häuslebauer. Mit großen Schritten ging der Wiederaufbau voran. Fast genau vor einem Jahr konnte das neue-alte Blockhaus wieder bezogen werden.
Familie stolz auf sich und die Weißkollmer
Heute erinnert sich die Familie mit Schrecken an die verheerende Nacht des Brandes, jedoch auch mit Stolz an ihre Leistungen beim Wiederaufbau und an die Unterstützung der Weißkollmer. „Wir sind froh, die Sache überstanden zu haben“, resümiert Manfred Strempel. „Allerdings hat das ganze auch sein gutes gehabt, weil die Menschen wieder ein wenig mehr zusammengeschweißt wurden. Ohne die vielen helfenden Worte und Hände hätten wir es wohl nicht geschafft.“
- Alexander Wentland -
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