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  [ Hamburger Abendblatt ] 23.07.2003

Das große Donnerwetter

Gewitter richteten Millionenschäden an. Die Abkühlung war nur eine Atempause - die Hitze kommt wieder.

Köln/Koblenz - Es war ein Donnerwetter über Deutschland. Mitten im Hochsommer schlugen verheerende Unwetter im Westen Deutschlands eine Schneise der Verwüstung. In Köln deckten Sturmböen in der Nacht zum Dienstag das Dach eines Bungalows ab und schleuderten es 50 Meter weit. Die Feuerwehr musste zu 370 Einsätzen ausrücken. Umgestürzte Bäume blockierten mehrere Straßen. In Aachen riss ein Blitz ein 15 Quadratmeter großes Loch in ein Wohnhausdach. Die Autobahnen A 4 und A 44 bei Aachen waren wegen umgestürzter Bäume mehrere Stunden gesperrt. Auf der A 3 bei Montabaur schleuderte ein VW Passat auf einen BMW auf dem Standstreifen - der BMW-Beifahrer (24) starb, der Fahrer (29) schwebt in Lebensgefahr.
 
In Niedererbach und Nentershausen im Westerwald (Rheinland-Pfalz) traten drei Bäche über die Ufer und setzten den Ortskern rund 60 Zentimeter unter Wasser. In Vreden (Nordrhein-Westfalen konnten sich mehrere Dutzend Pfadfinder in letzter Minute von ihrem Campingplatz in eine nahe Turnhalle retten. Wenig später stürzten Bäume auf ihre Zelte. In der Nähe von Marburg in Hessen schlug ein Blitz in eine Scheune und einen Stall ein. In einem Krankenhaus fiel nach einem Blitzeinschlag vorübergehend der Strom aus. Auch im Raum Koblenz hielten Unwetter die Rettungskräfte in Atem. Ein Feuerwehrsprecher: "Unglaublich. Die Notrufe gehen hier am laufenden Band ein."
 
Ein Gewitterregen wütete am Morgen in der Region Hannover. Ein Blitz setzte ein Wohnhaus in Seelze in Brand. In Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) versanken die Requisiten für die legendäre Stadt Vineta im Wasser.
 
Der Juli der Extreme geht weiter: Schauer, Gewitter und Hitze bestimmen weiterhin das Wetter in Deutschland und Europa. Angesichts der schweren Dürre in Norditalien erwägt die Regierung in Rom, den Notstand auszurufen. Durch schwere Gewitter in der Lombardei und im Piemont stiegen zwar die Pegel vieler Flüsse wie der Po wieder an, doch die Ernten sind kaum noch zu retten. Damit Industriebetriebe und Stromerzeuger weiterproduzieren können, werden jetzt täglich drei Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Lago Maggiore, dem Comer- und dem Gardasee in die Flüsse geleitet. In Griechenland und auf Korsika toben riesige Waldbrände. Auf Mallorca und Menorca fiel, wie berichtet, der Strom aus. 1,5 Millionen Spanier und Touristen saßen zwölf Stunden im Dunkeln. Ursache: totale Überlastung des Stromnetzes. Bei 40 Grad im Schatten liefen die Klimaanlagen überall auf Hochtouren.
 
Ein Ende der Hitzewelle ist nicht in Sicht. Der Deutsche Wetterdienst: Zwischen dem Azorenhoch und dem Russlandhoch baut sich eine neue Hochdruckbrücke auf. Das heißt: Super-Sonne, kaum eine Chance für Regen.
 
dpa/ap


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