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Thüringer Allgemeine ] 24.06.2003
Ein Blitz legte Bahnknoten Erfurt lahm
ERFURT. Mit der Urgewalt von 20 000 Ampere Stromstärke und einer Spannung von 40 Millionen Volt zuckten gestern Blitze über Erfurt. Einer traf kurz vor 14 Uhr ausgerechnet die Außenanlagen des hochsensiblen elektronischen Stellwerkes. Im gleichen Augenblick fielen am Bahnknoten Erfurt, den sonst pro Tag rund 400 Züge passieren, 143 Zugsignale und ebenso viele Weichen aus. Genau, als kaum tausend Meter entfernt die Grundsteinlegung für den Bahnhofsneubau stattfand.Von dem Totalausfall zuerst betroffen waren der IC 2008 aus Richtung Frankfurt/Main und in Gegenrichtung der ICE 1558 von Dresden. Beide bekamen zunächst das Stopp-Kommando. Dann durften sie "auf Sicht" langsam weiterfahren.Bis 15.30 Uhr waren rund um Erfurt über 20 Züge aufgelaufen. Die Spezialisten fanden inzwischen auch die genaue Einschlagstelle: Den Blitz hatten so genannte "Gleisfreimelder" angezogen. Sie waren danach nicht mehr zu erkennen. Die Auswirkungen trafen tausende Reisende. Alle Nah- und Fernzüge waren überfüllt. Züge aus dem Ruhrgebiet endeten nicht in Weimar, sondern in Gotha. Sie wurden dort auch wieder auf Reisen geschickt. Busse pendelten zwischen Hauptbahnhof und Neudietendorf, das über ein eigenes Stellwerk verfügt. Kurz vor 18 Uhr war dann der Schaden behoben. Bis die Verspätungen aufgeholt waren, dauerte es wesentlich länger.Ehe die Verantwortlichen der Bahn zum Aufatmen kamen, gab es schon die nächste Havariemeldung: Gegen 16.30 Uhr hatte der Sturm mehrere Bäume in die Oberleitung zwischen Probstzella und Ludwigstadt (Bayern) gedrückt. Ein ICE musste in Saalfeld angehalten, spätere über Erfurt und Fulda nach Süden umgeleitet werden. Außerdem pendelten Busse nach Bayern. Die Reparaturarbeiten dauerten gestern noch bis in den Abend.Ob dann wirklich Feierabend war, wusste keiner genau. Für die Nacht waren weitere Unwetter angekündigt.Jürgen REICHENBÄCHER
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