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  [ Pipeline ] 28.10.2002

Mindestens 24 Tote durch Sturmtief "Jeanett"

Hamburg - Die ersten schweren Herbststürme des Jahres mit Orkanböen von Windstärke 12 haben in Deutschland mindestens zehn Todesopfer gefordert.
 
Europaweit kamen mindestens 24 Menschen ums Leben. Bis zum Morgen zog Sturmtief «Jeanett» über den Osten Deutschlands hinweg. Während der Sturm am Sonntag im Westen erhebliche Schäden verursacht hatte, blieben die Auswirkungen während der Nacht im Osten begrenzt.
 
Vielerorts sprachen die Behörden von lebensbedrohlichen Gefahren und warnten davor, die Häuser zu verlassen. Der Flug- und Bahnverkehr brach in vielen Gebieten zusammen, zehntausende Bahnreisende mussten mit teilweise extremen Verspätungen rechnen, Straßen und Autobahnen wurden gesperrt. Ein Polizeisprecher in Wiesbaden sprach von «umgefallenen Bäumen in unendlicher Menge».
 
Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia muss am Vormittag von der Ostsee bis zum Erzgebirge aber noch mit schweren Sturm- und Orkanböen gerechnet werden. Erst am Nachmittag flaue der Wind ab.
 
Besonders schwer traf es am Sonntag Nordrhein-Westfalen, wo allein fünf Menschen bei sturmbedingten Unfällen starben. Ein 21- jähriger Feuerwehrmann war im Privatwagen unterwegs zu einen Einsatz in Velbert, als er eine Frau (43) und ihre Tochter im Sturm erfasste. Die Frau starb im Krankenhaus. In Aachen ertrank ein 70-jähriger Mann, der kopfüber in einen überfluteten Gully stürzte. Ein Mann in Hamm wurde vom herabstürzenden Dach eines Asylbewerberheimes erschlagen. In Bocholt am Niederrhein krachte ein Baum auf das Auto einer niederländischen Familie, dabei wurde die Mutter getötet.
 
Auch in Hamburg, Hessen und Schleswig-Holstein gab es Todesopfer. In Schleswig-Holstein wurde ein 46-jähriger Landwirt von einem Blitz getroffen, in Österreich erschlug ein umstürzender Baum am Samstag ein älteres Ehepaar aus Deutschland. Ebenfalls durch einen entwurzelten Baum kam ein Ehepaar in Weilburg in Hessen ums Leben.
 
In Großbritannien starben durch den Orkan mindestens zwei Kinder und drei Erwachsene. In den Niederlanden wurden drei Menschen getötet, eine Person wurde in die Nordsee geschleudert und ist seitdem vermisst. In Belgien starb ein 13-jähriger Junge beim Inline- Skaten auf dem Deich. In der Schweiz bei Basel wurde einen 31-jährige Frau von einem Baum erschlagen. In Frankreich gab es drei Tote.
 
Ein spanischer Fischer wurde im Atlantik per Hubschrauber von seinem Schiff geborgen. Im Hafen von Portsmouth wurde eine Fregatte der britischen Marine vom Wind gegen eine Fähre gedrückt. Nach Angaben des niederländischen Wetterdienstes war dies der schwerste Sturm seit 12 Jahren. Der Flugverkehr am Amsterdamer Flughafen Schipol und an den Londoner Flughäfen Gatwick und Heathrow wurde stark eingeschränkt, zahlreiche Flüge gestrichen. In Belgien wurde wegen des Sturms der Hafen von Ostende geschlossen. Insgesamt kamen in Europa mindestens 13 Menschen ums Leben.
 
Der von Großbritannien kommende Orkan «Jeanett» erreichte zum Teil Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern. Dabei verwüstete er ganze Landstriche: Bäume und Strommasten stürzten um, Gebäude wurden beschädigt, Dächer abgedeckt, starke Regenfälle überfluteten Straßen und Keller. «Die Behörden rotieren», sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Düsseldorf.
 
Zehntausende Bahn-Reisende erreichten deutlich verspätet oder nur auf Umwegen ihr Ziel. 26 Fernzüge fielen bis zum Abend aus, manche hatten bis zu drei Stunden Verspätung, teilte ein Bahn-Sprecher mit. Der Sonntagabend sei eine der Hauptverkehrszeiten der Bahn. Besonders betroffen war Nordrhein-Westfalen, wo der Zugverkehr auf mehr als 30 Strecken unterbrochen werden musste. Auf der linken Rheinstrecke (Mainz - Koblenz - Köln) kam der Zugverkehr völlig zum Erliegen. Der internationale Verkehr auf der Vogelfluglinie (Hamburg - Lübeck - Fehmarn - Dänemark) musste ebenfalls eingestellt werden. Auch am Frankfurter Flughafen mussten mehrere Flüge ausfallen. Auch am Montagmorgen hatten die Einsatzkräfte noch keine Übersicht über die Schäden. Vielfach waren noch Straßen und Bahnverbindungen blockiert.
 
- dpa -


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