[
Kölner Stadt-Anzeiger ] 20.08.2002
Blitze legten Telefon und Strom lahm
Die Störungstrupps der Kaller KEV hatten alle Hände voll zu tun
Kreis Euskirchen - Gewitter und Wolkenbruch kündigten sich ganz langsam an. Am Montagnachmittag verdunkelte sich der Himmel immer mehr, und ab 18.30 Uhr schepperte und schüttete es fast über dem gesamten Kreisgebiet. Blitze zuckten pausenlos, Niederschlagsmengen und Windgeschwindigkeiten hielten sich aber in Grenzen.
Im Raum Zülpich, Sinzenich und Ülpenich waren viele Haushalte von der Außenwelt abgeschnitten - allerdings nur, was Telefon, Telefax und E-Mail anbetrifft. Die durch Blitzeinschläge verursachte Überspannung hatte so mancher Telefonanlage den Garaus gemacht. Binnen weniger Minuten gingen über 200 Anlagen - zum Teil irreparabel - kaputt. Auch beim Wetterbeobachter Karl Josef Linden aus Sinzenich. Bei ihm lief nichts mehr. Und damit musste auch Jörg Kachelmann, mittlerweile „Wetterfrosch der Nation“, gestern zunächst auf Wetter-Daten aus dem Eifeler Raum verzichten.
Nur über Handy konnte Linden bei Kollegen aktuelle Daten erfragen. „Es hielt sich aber alles im Rahmen“, lautete das Fazit des Sinzenichers. Auf der Höhe bei Schöneseiffen fielen 17 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, im Münstereifeler Höhengebiet waren es 15 und um Obergartzem und Firmenich herum 11 bis 12. In Eiserfey musste die Feuerwehr dennoch ausrücken, um Wasser aus einem Keller zu pumpen. „Ausreißer“ in Sachen Niederschlag war Nettersheim. Dort registrierte man in zwei Stunden 32,5 Liter Regenwasser pro Quadratmeter. Zu Überschwemmungen kam es aber nicht. Die Windgeschwindigkeiten, die im Zuge eines Gewitters eigentlich stets zunehmen, hielten sich über Eifel und Börde in Grenzen. Laut Linden wurde bei Kalterherberg Windstärke 7 gemessen. Das war auch schon die höchste. Von stürmischen oder gar orkanartigen Böen blieb der Kreis Euskirchen verschont.
Um so heftiger waren allerdings Blitz und Donner. Im Zülpicher Raum zuckten Blitze und grollten Donner in derselben Sekunde - und das mit enormer Intensität. Im nördlichen Bereich des Kreises fielen die Schäden an den Anlagen des Energieversorgers RWE durch Blitzschlag kaum ins Gewicht, im Südkreis sah das schon anders aus. Wie Dieter Wolter, Prokurist der Kreis-Energie-Versorgung (KEV) in Kall, berichtete, gab es „eine Menge an Störungen, aber keine Großstörung“.
Viele Haushalte blieben zwischen 19 und 20 Uhr bis zu einer halben Stunde ohne Strom. So etwa im Bereich Kallmuth, Strempt, Eicks und Zingsheim. Grund dafür waren Schäden in Transformatorenstationen. Durch Blitze seien so genannte Überspannungsableiter zerstört worden, erklärte Dieter Wolter. Da bei der KEV die Mannschaften in Rufbereitschaft standen, konnten die Schäden umgehend behoben werden. Weitestgehend verschont blieb der Bereich Blankenheim, Dahlem und Hellenthal.
In Schweinheim waren in der Hollandstraße gegen 19.15 Uhr nach einem Blitzeinschlag der Dachstuhl eines Hauses und die Möbel im Dachgeschoss in Brand geraten. Ein Nachbar erstickte die Flammen mit einem Feuerlöscher.
- Günter Zumbé -
© Kölner Stadt-Anzeiger 2002 - Ein Service von www.blitzschutz.com
|