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  [ Leonberger Kreiszeitung ] 13.08.2002

Vor 50 Jahren hat ein Blitz die Existenzgrundlage zunichte gemacht...

Merklingen - Von der Scheune und dem Stallgebäude des Merklinger Landwirtes Gottlob Meyle war ein einziger Gluthaufen übrig geblieben: Heute vor 50 Jahren hat ein Blitz die Existenzgrundlage des damals größten Merklinger Bauernhofes auf einen Schlagzunichte gemacht.
 
"Wir saßen gerade beim Vesper, als der Blitz in die Scheune hinter dem Haus einschlug",erinnert sich Gottlob Meyles Sohn Walter. Von einem Arbeiter aus der Nachbarschaft sei dieFamilie alarmiert worden, erzählt der Landwirt. Keine fünf Minuten habe es gedauert, bis siean der Brandstelle gewesen seien, so Meyle, noch heute sichtlich ergriffen von demGeschehen damals.
 
Der Anblick, der sich seinem Vater, seiner Mutter, den beiden Geschwistern und ihm bot war schrecklich. Sämtliche landwirtschaftlichen Gebäude hatten bereits Feuer gefangen. Brennende Garben wurden durch den Aufwind umhergewirbelt. Merklingen verschwand in einer schwarzen Rauchwolke. Alles stank nach Schwefel. Als wenn es erst gestern geschehen wäre, schildert Meyle seine Eindrücke.
 
Der Versuch seines Vaters Gottlob, noch etwas aus den brennenden Gebäuden zu retten, war nur wenig erfolgreich. Ohne zu zögern, hatte der Bauer das brennende Scheunentor aufgerissen. Dabei erlitt er Verbrennungen an beiden Armen. Verletzungen, die ihm noch einige Jahre später zu schaffen machen sollten, wie sein Sohn Walter heute erzählt.
 
Nur ein Wagen und ein kleiner Teil des Viehbestandes überlebten das Flammeninferno auf dem Hof, das sich in diesem Ausmaß in den vergangenen 50 Jahren in Merklingen nicht wiederholen sollte. Die Leonberger Kreiszeitung berichtete einen Tag später, am 14. August 1952, über den Brand Folgendes: "Alsbald schlugen aus dem großen Scheunen- und Stallgebäude die Flammen auf, und, genährt von den eingeführten Erntevorräten, verbreitete sich das Feuer so schnell, dass nicht einmal mehr alles Vieh gerettet werden konnte. Sechs Kühe, ein Pferd, ein ganzer Wurf Ferkel, dazu mehrere ältere Schweine, von denen eines unmittelbar kurz vor dem Werfen war, kamen in den Flammen um. Auch landwirtschaftliche Maschinen und Gerätschaften wurden ein Opfer des Brandes". Schmerzlich war der Verlust für die ganze Familie. Auch die Tatsache, dass das Wohnhaus unbeschadet blieb, konnte diesen nicht mindern. Nicht genug, dass das gesamte Jahreseinkommen der Meyles aus der Ernte mit dem Brand vernichtet worden war. Diese war im Jahr 1952 laut Walter Meyle besonders gut. Es sollte noch schlimmer kommen, wie in der Leonberger Kreiszeitung zu lesen war: "Der entstandene Schaden dürfte die Summe von 100 000 Mark wesentlich überschreiten. Bedauerlich ist, dass der geschädigte Landwirt Meyle ohne sein eigenes Verschulden nur schlecht versichert ist. 1945, als die schwarzen Hilfsvölker Frankreichs in Merklingen hausten, ging dieselbe Scheune an der Bismarckstraße in Flammen auf. Sie wurde vor zwei Jahren erst neu gebaut und war von der Versicherung noch nicht abgenommen".
 
Innerhalb kurzer Zeit stand die Familie zweimal unverschuldet vor den Trümmern ihrer Existenz. Umso größer war deshalb die Dankbarkeit gegenüber den vielen Helfern, die die Familie nach dem zweiten Brand unterstützten. Zehn Feuerwehren und 45 Landwirtschaftsschüler aus den umliegenden Orten waren fünf Tage lang im Einsatz. Erich Fritschi, Lehrer an der landwirtschaftlichen Berufsschule in Leonberg habe die einmalige Aktion mit Hilfe der Leonberger Kreiszeitung gestartet, denkt Meyle dankbar zurück. In den vergangenen Tagen haben ihn einige Personen auf die Ereignisse von damals angesprochen. Ein Beweis dafür, dass wohl nicht nur Familie Meyle geschockt war.
 
- Ulrike Ludmann -


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