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Hamburger Morgenpost ] 11.07.2002
1000 Blitze pro Minute
Millionenschäden durch Regen und Sturmböen
Das erste Sommergewitter über Deutschland. Der Wetterdienst berichtete von Wolkenbergen, die sich bis zu zwölf Kilometer hoch bis in die Stratosphäre auftürmten. Blitz und Donner – sie verursachten besonders in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg Millionenschäden.
In der Elbmetropole stürzten mindestens 15 Liter Regen pro Quadratmeter zu Boden. In manchen Stadtteilen fegten die Böen mit mehr als 90 Stundenkilometern über die Straßen, entwurzelten ganze Bäume. Dann grollten Donnerschläge, Blitze krachten über den Nachthimmel. Ihr Licht – gleißend hell. 105 Mal rückte die Feuerwehr zu Unwettereinsätzen aus. Im Stadtteil Schnelsen mussten die Retter zum Löschen in den Königskinderweg. Ein eng bebautes Wohngebiet. Dort hatte ein Blitz in das Dach eines Einfamilienhauses eingeschlagen, das sofort in Flammen stand. Eine Bewohnerin (80) und ihr Sohn wurden gerettet. Sie blieben zum Glück unverletzt, doch ihr Haus ist jetzt unbewohnbar.
Am Bahnhof Volksdorf jagte ein Blitz in eine alte Eiche, die ohnehin nur durch Stahlseile stand. Die Energie spaltete den Baum, zerfetzte sogar seine stählernen Halteseile. Dann drohte die Eiche im Wind auf das Bahnhofsgebäude und ein Geschäft zu stürzen. Feuerwehrleute mussten sich mit Kettensägen an die Arbeit machen, kürzten den Baum von Drehleitern aus ab der Krone abwärts.
Doch die Gewitterfront wütete in ganz Deutschland. Bis zu 1000 Blitze pro Minute zählte der Deutsche Wetterdienst auf den Satellitenbildern. Chaos auch in München: Hier krachten Bäume auf Autos, Keller liefen mit Regenwasser voll. Der Wind pfiff mit Stärke 10. Innerhalb einer Stunde regnete es mehr als doppelt so viel wie in Hamburg. Die Feuerwehr fuhr insgesamt 250 Einsätze. In Gunzenhausen (Franken) barst eine Hauptgasleitung, getroffen von einem gelösten Erdbrocken. 8000 Liter Gas strömten aus. In Gelsenkirchen (NRW) kamen zwei Angler schwer verletzt ins Krankenhaus. Sie hatten unter einem Baum Schutz gesucht, als auch hier ein Blitz einschlug. Im Raum Bonn musste wegen des Unwetters für mehrere Stunden sogar der Zugverkehr völlig eingestellt werden.
Niedersachsen trafen die Sturmböen am übelsten. Der Wind entwurzelte hunderte Bäume, warf sie auf Straßen, Gehwege, Parkplätze. Ein Polizeisprecher. „Auf der Landstraße zwischen Bassum und Syke sah es wirklich so aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.“
- Marcus Heyl -
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