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Kölner Stadtanzeiger ] 17.05.2002
Blitzschnelle Millionen-Schäden
Der Schadenaufwand der Hausratversicherer nach Blitzeinschlägen hat sich verdreifacht.
Köln - Die alten Griechen, Römer und Germanen schrieben ihn der Wut der Götter zu - mittlerweile wissen wir, dass der Blitz eine elektrische Entladung ist. In den vergangenen Jahren sind über Deutschland ungewöhnlich viele Gewitter niedergegangen - die Zahl hat sich gegenüber 1992 fast verdoppelt. Über den Grund für dieses Phänomen spekulieren die Metereologen nur. "Gerade die Rheinebene und das gesamte Rhein-Main-Gebiet gelten als Blitzschwerpunkte in Deutschland", sagt Karlheinz Poll, der im Gesamtverband der Deutschen Versicherungen (GDV) der Sachschaden-Kommission angehört.
Die Experten suchen unter anderem nach Gründen, warum die Schäden im Bereich der Hausrat-Versicherungen so stark gestiegen sind. "Das Wetter spielt sicher eine Rolle. Allein durch die hohe Zahl der Blitzeinschläge ist der starke Anstieg allerdings nicht zu erklären", erläutert Poll. Der Schadenaufwand der Hausratversicherer nach Blitzeinschlägen habe sich verdreifacht. Als Grund nennt Poll den verstärkten Einschluss von Überspannungsschäden in die Policen. Denn ein Blitzschlag kann nicht nur großen Schaden anrichten, wenn er direkt ein Haus trifft, sondern auch noch in erheblicher Entfernung vom Ort des Einschlags: "Über Freileitungen, Kabel oder sogar Wasseradern in der Erde können technische Geräte im Haushalt beschädigt werden." Überspannungsschäden werden in der Regel gesondert als Zusatzschutz zur Hausratversicherung vereinbart.
Mit präzisen Messinstrumenten können die Versicherer heute bis auf wenige hundert Meter bestimmen, wo und wann Blitze eingeschlagen haben. Weil eine Rest-Ungenauigkeit besteht, fallen Schäden noch in die normale Hausratversicherung, wenn der exakte Blitzeinschlag höchstens ein Kilometer entfernt liegt. Ein Überspannungsschaden ist dagegen versichert, wenn der Einschlag bis zu vier Kilometer vom Haus entfernt registriert wird.
Darüber hinaus besitzen die Haushalte mehr technisch sensible Geräte als früher - "zum Zweit-und Drittfernseher kommen heute Video- und DVD-Player, hochwertige Hi-Fi-Anlagen sowie vernetzte Telekommunikations- und Computeranlagen", stellt Poll fest. Außerdem schlägt bei den Versicherern negativ zu Buche, dass gerade große Elektro-Handelsketten beschädigte Geräte nicht reparieren, sondern dem Kunden gleich ein neues Gerät verkaufen. Anders als im KfZ-Bereich müssen die Versicherer nicht den niedrigeren Zeitwert, sondern den Neuwert ersetzen.
Gegen eine andere Naturgewalt - das Wasser - können sich Betroffene nicht so leicht absichern wie gegen Blitzeinschläge. Bei den Jahrhundertüberschwemmungen 1993 und 1995, als der Kölner Pegel bis auf rund 10,60 Meter stieg, entstanden nach Berechnungen der Münchener Rück Schäden von 920 Millionen US-Dollar. Versichert waren allerdings lediglich Schäden von 310 Millionen Dollar.
Das verwundert nicht - Bewohner von hochwassergefährdeten Gebieten konnten sich bisher nur schwer und zudem sehr teuer gegen Hochwasser versichern. "Ein Hauptgrund dafür war, dass die Versicherer keine Möglichkeit hatten, das Überschwemmungsrisiko flächendeckend zu bestimmen", sagt Manfred Müller von der Bayerischen Versicherungskammer. Das soll sich ändern. Ein elektronisches System ist künftig in der Lage, drei verschiedene Zonen darzustellen, die gering, mittel oder stark überschwemmungsgefährdet sind - und zwar auf die Hausnummer genau. Als Datenbasis haben die Experten eine Fläche von 356 000 Quadratkilometern, über 400 000 Kilometer Flussgewässer und mehr als zehn Millionen Gebäudedaten erfasst und analysiert.
Weil die Versicherungen nun das Risiko besser einschätzen können, werden sich wohl mehr Menschen als bisher versichern können, vermutet Müller. Doch für die besonders stark Gefährdeten, die - statistisch gesehen - häufiger als alle zehn Jahre von Überschwemmung betroffen sind und daher zur höchsten Gefährdungsklasse gehören, ist das kaum ein Trost. "Hier werden die Prämien wohl nicht auf Akzeptanz stoßen", formuliert Müller.
- Karin Billanitsch -
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