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MediaMarkt Portal ] 21.10.2001
Blitz und Donner -
Energie geladener Götterzorn
Hamburg - Blitz und Donner zeugen vom Zorn der Götter. So sahen es jedenfalls die meisten frühen Kulturen.
Der göttliche Groll muss groß sein, denn rund um den Globus toben jederzeit etwa 1000 Gewitter. Während eines starken Unwetters zucken bis zu 2000 Blitze pro Stunde durch den Himmel. Die meisten davon erreichen den Erdboden allerdings nicht, sondern rasen kreuz und quer in der Wolkenschicht. Blitzschläge am Boden jedoch können eine zerstörerische Gewalt entfalten. Allein in Deutschland gehen die jährlichen Blitzschäden nach Angaben der Münchner Rückversicherung in Milliardenhöhe, mit steigender Tendenz.
Die Schäden nehmen vor allem deshalb zu, weil die Menschen immer mehr, immer empfindlichere und immer teurere Elektronik ansammeln, erläutert der Leiter der Forschungsgruppe Geowissenschaften bei der Münchner Rück, Gerhard Berz. Allerdings lasse die Klimaerwärmung auch die Zahl der Gewitter wachsen. "Bei einem Temperaturanstieg von fünf Grad wird mit bis zu acht Mal mehr Blitzen gerechnet", sagt Berz. Aktuellen Prognosen zufolge soll die Temperatur im weltweiten Schnitt bis zum Jahr 2100 um etwa zwei bis sechs Grad steigen. "Das könnte also durchaus bedeuten, dass Blitze dramatisch zunehmen werden."
Derzeit registriert der Deutsche Wetterdienst in Offenbach bundesweit im Schnitt rund acht bis zehn Gewitter pro Monat, wobei es im Süden öfter kracht als im Norden. Vor allem im Gebirge sind Blitz und Donner viel häufiger als im norddeutschen Flachland.
Ein Blitz ist in mehrfacher Hinsicht ein gewaltiges Ereignis. Bei dem himmlischen Funkenschlag herrscht typischerweise eine elektrische Spannung von 100 Millionen Volt. Innerhalb von Sekundenbruchteilen entlädt sich eine Energie von mehreren hundert Kilowattstunden. "Mit dem Strom aus einem durchschnittlichen Blitz ließe sich eine 100- Watt-Glühbirne etwa drei Monate lang betreiben", erläutert der Blitz- Forscher Ulli Finke von der Universität Hannover. Als Energiequelle seien Blitze dennoch kaum geeignet. "Sie sind an einzelnen Orten einfach zu selten." Entsprechende ältere Pläne würden inzwischen nirgends mehr ernsthaft verfolgt. Die ungeheure Energie, die mit einem Blitz zu Boden saust, erwärmt die Luft im Blitzkanal schlagartig auf bis zu 30 000 Grad Celsius. Die heiße Luft dehnt sich schockartig aus, was wir als Donner hören. Nicht nur ein direkter Blitzschlag kann tödlich sein. Auch Menschen, die sich im Bereich dieser Schockwelle aufhalten, werden lebensgefährlich verletzt. Die Gefahr, voneinem Blitz getötet zu werden, ist in Deutschland allerdings ausgesprochen gering. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden verzeichnete 1999 bundesweit zehn Blitztote, im Jahr davor waren es sogar nur vier. Wer im Freien von einem Gewitter überrascht wird, sollte sich möglichst in einer Mulde hinhocken und keinesfalls unter einem Baum Schutz suchen. Bauernregeln wie "Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen" sind längst als Unsinn entlarvt. Badende müssen bei Gewitter das Wasser sofort verlassen.
Was im Detail in einer Gewitterwolke vorgeht, ist immer noch nicht ganz verstanden. Weil sich die Prozesse über Entfernungen von mehreren Kilometern abspielen, lassen sie sich kaum realitätsnah im Labor untersuchen. Die Hannoveraner Blitzforscher bauen deshalb gemeinsam mit französischen, belgischen und niederländischen Kollegen ein Beobachtungsnetz für die viel häufigeren Wolkenblitze auf. Bodenblitze registriert in Deutschland seit rund zehn Jahren das bundesweite Blitzradar der Firma Siemens.
Angesichts der steigenden Schäden ist auch der Blitzschutz ein zunehmend wichtiges Forschungsgebiet. Weil die empfindliche moderne Elektronik bereits von dem elektromagnetischen Feld eines in der Nähe niederfahrenden Blitzes beschädigt werden kann, bietet der vor fast 250 Jahren vom Amerikaner Benjamin Franklin erfundene Blitzableiter heute keinen sicheren Schutz mehr. Forscher suchen daher nach Alternativen. So haben Physiker aus Berlin und Jena kürzlich einen mobilen Hochleistungslaser vorgestellt, mit dem sie einen kilometerlangen elektrisch leitenden Pfad in der Luft erzeugen und so Blitze an einer gewünschten Stelle hinableiten können.
- (dpa) -
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