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  [ Welt am Sonntag ] 21.09.2001

Wenn einen der Blitz trifft ...

Schwerwiegende Schäden im Nervensystem - die Unfallgefahr wird unterschätzt

London - Pro Jahr gehen auf die Erde etwa 1,2 Milliarden Blitze nieder, wie Auswertungen von neuen Satellitenaufnahmen zeigen. Die meisten Gewitter treten jetzt im Sommer auf, wenn warme und kalte Luftmassen aufeinander treffen. Nach einer auf die USA bezogenen Statistik, kommen dort im Jahresdurchschnitt 87 Menschen durch Blitzschlag zu Tode. Nur Überschwemmungen fordern noch mehr Todesopfer, während andere Wetterereignisse wie Tornados und Hurrikans erst an dritter und vierter Stelle als Todesursache stehen. Mary Ann Cooper von der University of Illinois in Chicago hält die veröffentlichten Zahlen für die Blitzopfer allerdings für zu niedrig, da viele Fälle nicht korrekt gemeldet würden. Die Professorin hält mindestens 120 Blitz-Tote und 1.200 Verletzte für realistisch.
 
Die Todesursache bei Blitzschlag ist Herzstillstand. Durch den gewaltigen Stromschlag setzt der elektrisch gesteuerte Schlagrhythmus aus. Großflächige Verbrennungen kommen dagegen wider Erwarten selten vor. Dafür, so meint Mary Ann Cooper, ist die Dauer, während der der Blitzstrom fließt, mit einer Milli- bis maximal einer Zehntel- sekunde einfach zu kurz. Brandverletzungen treten meist dadurch auf, dass die Kleidung Feuer fängt oder Körperschweiß auf der Haut zu kochen beginnt.
 
Während die Todesursache bei einem Blitzschlag immer recht eindeutig ist, sind die Verletzungen und bleibenden Beschwerden, die Überlebende davontragen, ausgesprochen vielfältig. So berichtet ein Betroffener von schweren Kopfschmerzen und weiteren chronischen Schmerzattacken, Epilepsie-ähnlichen Anfällen, Benommenheit und zeitweise verschwommenem Sehen. Frau Cooper als Spezialistin für Blitzverletzungen hält diese Vielfalt von Beeinträchtigungen für die Folgen einer allgemein schweren Schädigung des gesamten Nervensystems - Folgen, die tief greifend sind, zum Teil über Jahre anhalten und schwierig zu behandeln sind. Außerdem berichtet die Ärztin, dass bei vielen Opfern sowohl das Kurz- als auch das Langzeitgedächtnis Schäden davontragen. In manchen Fällen verändert sich sogar die Persönlichkeitsstruktur, wenn die Stirnlappen im Gehirn verletzt werden.
 
Wie die Nervenschäden im Einzelnen aussehen, ist bislang jedoch noch nicht klar. Vermutungen gehen dahin, dass die Fähigkeit der Nervenzellen, elektrische Impulse kontrolliert weiterzuleiten, nach einem Blitzschlag dauerhaft gestört ist. Die Zellen müssen vermutlich sehr viel Energie aufwenden, um die Schäden zu reparieren, und nicht immer gelingt ihnen das. Viele sterben dabei auch ab.
 
- rhl -


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