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Stimme ] 01.08.2001
Blitzschutz: Ein Restrisiko bleibt immer
Damit das Haus bei Gewitter ohne Schaden bleibt: Einbau von Ableitungen ein Muss oder unnötig?
Ein Hausbau ist teuer. Deshalb sparen Bauherren und Bauträger an allem, was nicht unbedingt sein muss und keine Vorschrift ist. Dazu ehört eine Gebäudeblitzschutzanlage. Experten schätzen, dass bei weit über der Hälfte der privaten Neubauten auf Blitzableiter verzichtet wird.
Die meisten Häuslesbesitzer leben mit dem Risiko eines Blitzeinschlags und hoffen darauf, dass schon nichts passieren wird. Ein hohes Risiko? Nein, meint Gerhard Maier,Diplom-Ingenieur aus Stuttgart.
Im "normalen" Wohnbau unter "normalen" Bedingungen empfiehlt der Blitzschutzexperte, der häufiger Vorträge zu diesem Thema an der Fachhochschule für Technik in Esslingen hält, keine spezielle Vorsorge.
Im Gegenteil: Die Einschlagwahrscheinlichkeit werde in bestimmten Fällen durch eine äußere Blitzschutzanlage sogar erhöht. Gerhard Maier: " Sie kann einen Blitzeinschlag geradezu provozieren."
Etwas anders schätzt Hans-Peter Blickle, Blitzschutzbauer aus Schwäbisch Hall, die Gefahr ein. Auch er gibt zu, dass Häuser in einer reinen Wohngegend nicht sonderlich einschlaggefährdet sind.
Dennoch gebe es auch fast kein Haus, das absolut sicher sei. Erfahrungen hätten gezeigt, dass selbst die Nähe von hohen Bäumen oder Kirchtürmen keine Sicherheit biete.
Die Kosten für das umstrittene Sicherheitsplus an Häusern sind schwer zu beziffern - und hängen von vielen Faktoren ab.
Mindestens 3000 Mark muss für die Installation von Blitz-Auffangeinrichtungen, Ableitungen und Erdungsanlage - auf diesen drei Teilen ist das Blitz-Abwehrsystem fürs Haus aufgebaut - investiert werden.
Grundlage für die Anlage ist die VDE-Richtlinie 0185, eine Sollvorschrift, die installierenden Firmen recht viel Spielraum lässt. Für den Kunden birgt dies die Gefahr, dass von einer 98-prozentigen Schutzgarantie, die solche Anlagen eigentlich leisten können, oft nur 60 bis 70 Prozent Schutz übrig bleiben. Blickle: "In einem solchen Fall kann man die Investition gleich bleiben lassen."
Hier herrscht Einigkeit unter den Experten: Auch Gerhard Maier rät: Wenn schon Absicherung, dann richtig.
Darunter versteht Maier allerdings nicht nur eine äußere Blitzschutzanlage. Sie sollte seiner Meinung nach unbedingt mit einem inneren Blitzschutz (s. Kasten), einem Überspannungsschutz für elektronische Geräte, gekoppelt sein. Die noch gültigen VDE-Vorschriften vertreten allerdings noch einen Blitzschutz, der nach neuesten Kenntnissen eigentlich falsch ist.
Maier: "Bauer und Planer befinden sich in einer Zwickmühle, weil der so genannte integrierte Blitzschutz, der den äußeren und inneren Schutz vor Einschlägen in Kombination sieht, noch keine ausreichende rechtliche Grundlage hat. Ein weiteres Problem, das Maier sieht: Beim äußeren Blitzschutz gebe es viele "Gangsterfirmen", die nur ans Abzocken denken.
Der Blitzableiter fürs Haus ist also Geschmackssache - und vor allem eine Frage des Geldbeutels. Wer beim Hausbau jede Mark umdrehen muss und sich nur aus reinen Kostengründen dagegen entscheidet, sollte zumindest so genannte Anschlussfahnen an den Fundamenterder vorsehen lassen, meint Hans-Peter Blickle: "Auch wenn tausend Leute davon abraten."
Die Mehrkosten sind minimal und betragen lediglich zwischen 30 und 40 Mark. Wer es sich später doch noch anders überlegt, kann nachträglich ohne großen finanziellen Mehraufwand eine Anlage installieren lassen. Fehlen die Anschlussfahnen, müsste eine "Tiefenerdung" gesetzt werden und die "kostet ein Schweinegeld", so Blickle.
- Anita Essig -
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