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  [ Rundschau Online ] 02.07.2001

Unwetter tobte über dem Rhein-Sieg-Kreis

Blitz traf Dächer, Kuh und Telefonanlage

Rhein-Sieg-Kreis - Heftige Unwetter sorgten am Samstag von der Mittagszeit bis in den frühen Abend hinein für teilweise chaotische Verhältnisse in weiten Teilen des Rhein-Sieg-Kreises. Zu knapp 100 Einsätzen mussten die Feuerwehren ausrücken.
 
In Siegburg sowie in Windeck-Rosbach schlug der Blitz in zwei Wohnhäuser, in Sankt Augustin war zeitweise nach Blitzeinschlag die komplette Telefonanlage der Kinderklinik außer Betrieb und in Menden wurde auf dem Deich gar eine Kuh tödlich vom Blitz getroffen, in Hennef wurde ein unbewohntes altes Fachwerkhaus teilweise unterspült und musste deshalb tags darauf aus Sicherheitsgründen komplet abgerissen werden, in Sankt Augustin fielen mehrere Fahnenmaste vor dem Kinderherzzentrum auf parkende Autos, in Lohmar-Donrath wurde die Straße Zur Burghart bis zur Einmündung auf die B484 mit einer zehn Zentimeter dicken Schlammschicht überspült und unpassierbar gemacht.
 
Unfälle mit Blechschäden nach Aquaplaning auf den Straßen und Autobahnen sowie Keller, die ausgepumpt werden mussten, sorgten ebenfalls für zahlreiche Einsätze.
 
Mit lautem Donnerknall kündete sich das Unwetter zur Mittagszeit an, trieb heftiger Wind und Regen die Passanten in der Kreisstadt unter die schützenden Dächer der Einkaufspassagen und in die Kaufhäuser.
 
Was anfangs nur wie ein kurzes Gewitter schien, das die Schwüle davontreiben und wieder angenehmere Temperaturen bringen sollte, erwies sich als Dauerkracher. In Sekundenschnelle verwandelte sich der vormals blaue in einen dunkelgrauen Himmel, und sollte sich, von kurzen Unterbechungen einmal abgesehen, auch nicht mehr aufhellen.
 
Zwei Gewitter machte Hans-Günter Linden aus, der in Hennef-Geistingen seit 22 Jahren eine Niederschlagsmessstation betreibt: das erste Gewitter dauerte dort von 13.50 bis 16 Uhr, das zweite und noch stärkere Gewitter dann von 20.30 bis 21 Uhr. Begleitet von heftigen Regenfällen.
 
Von Samstag bis Sonntag um 7.30 Uhr registrierte Linden eine Niederschlagsmenge von 28,3 Millimeter Höhe, was umgerechnet 28,3 Litern Wasser pro Quadratmeter entspricht und damit in etwa der sonst üblichen Regenmenge für einen ganzen Monat.
 
Heftiger indes regnete es noch in Siegburg, wie die Niederschlagsmesstation des CDU-Landtagsabgeordneten Michael Solf mit einem Wert von 35,3 Millimeter nachwies. Mehr war es nur am 17. Juni dieses Jahres (Sonntag vor zwei Wochen) mit 39,5 Millimeter sowie am 2.Juli 1995 eben jenem Tag, an dem der Keramikmarkt in Siegburg durch Regen und Hagel zu einem wahren Scherbenhaufen geriet.
 
Doch fielen auch vorgestern Feste wie etwa das Internationale Begegnungsfest der Stadt Sankt Augustin im Pleiser Park ins Wasser. Und Bürgermeister Klaus Schumacher, dorthin noch guter Dinge unterwegs in seinem Dienstfahrzeug, erlebte einen leichten Unfall: Ein anderer Verkehrseilnehmer fuhr ihm mit dem Wagen von hinten gegen seinen schwarzen Audi.
 
Wie überhaupt die meisten Einsätze von Polizei und Feuerwehr in Sankt Augustin und Troisdorf registriert wurden sowie im linksrheinischen Teil des Rhein-Sieg-Kreises. Und keineswegs immer die Unterstützung oder auch nur das Wohlwollen der Einwohner fanden.
 
So wurde der Einsatz der Feuerwehr in Donrath, wo die starken Regenfälle über die Ufer hatten treten lassen und eine Schlammschicht die abschüssige Straße Zur Burghart hinunter gegossen hatte, stundenlang von Anwohnern bei ihrem Hilfseinsatz beobachtet.
 
Über eine Strecke von 250 Meter von der Straße Zur Burghardt bis zur B484 sowie über 150 Meter der angrenzenden Steinackerstraße ergossen lag Zentimeter dick der Schlamm, weshalb der Löschzug Donrath mit fünf Fahrzeugen und 23 Helfern dort ab 15.10 Uhr im Einsatz war, unterstützt von Polizei, Ordnungsamt, Bauhof und einem Unternehmer, der mit Saug-und Spühlwagen sowie einer Kehrmaschine aushalf.
 
Die Anwohner sahen uns mit Besen und Schaufeln und Strahlrohen, sie sahen auch, wie wir immer schmutziger und nasser wurden, beschreibt Stadtbrandmeister Klaus Boddenberg die Situation.
 
Und als sie nach fast drei Einsatzstunden bemerkten, dass die Feuerwehr den Einsatz beendete, ohne ihre private Hofeinfahrt und private Gehwegflächen zu reinigen, kam es zu unverständlichen Meinungsäußerungen.
 
Boddenberg weist angesichts der geäußerten Kritik der Anwohner nochmals darauf hin, dass es sich bei den Helfern um ehrenamtliche Feuerwehrleute und nicht etwa um Berufsfeuerwehrleute handelt.
 
- gvn -


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