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  [ Echo Online ] 02.07.2001

Schreck in der Abendstunde: Brennender Baum fällt auf ICE

Niemand verletzt - Aufräumarbeiten dauern die ganze Nacht

BISCHOFSHEIM - Grelle Blitze zucken, der Himmel verdunkelt sich, es beginnt heftig zu regnen. Das Unwetter, das am Samstag über die Region zieht, verschont auch Bischofsheim nicht. Gegen 17.10 Uhr plötzlich ein Blitz und ein dumpfer Donnerschlag. Und schon steht neben der B 43 ein Baum in Flammen. Von dem Blitz getroffen, ist ein riesiger Ast gebrochen und stürzt in Richtung Bahnlinie. Er trifft den ICE 724 Nürnberg-Berlin, der gerade von Frankfurt aus in Richtung Mainz/Wiesbaden fährt. Der Zug ist an dieser Stelle sehr langsam. Der Baum reißt die Oberleitung kaputt, der Stromfluss wird unterbrochen, der Zug bleibt mitten auf der Strecke stehen. Auf dem Dach trägt er leichte Schäden davon.
 
Mittlerweile haben Passanten die Feuerwehr alarmiert, weil der Baum (eine Weide) brennt. Als die Bischofsheimer Wehrmänner mit allen verfügbaren Kräften anrücken, sind die Flammen durch den heftigen Regen bereits gelöscht. Der Lokführer des ICE hat inzwischen die Bahn von dem Malheur verständigt, die Fahrgäste schauen neugierig aus den Fenstern, auf der B 43 bleiben Schaulustige stehen. Die Polizei sperrt zunächst die beiden Fahrbahnen in Richtung Rüsselsheim zwischen der Autobahn und der Zufahrt nach Bischofsheim, damit die Rettungsdienste ungehindert arbeiten können.
 
Der Feuerwehr ist schnell klar, dass sie den Schaden alleine nicht in den Griff bekommt, denn es wird schweres Bergungsgerät gebraucht. Deshalb geht der Alarm weiter an das Technische Hilfswerk, das mit einem Bergungskran anrückt, der den abgebrochenen Ast erst mal an den Haken nimmt und etwas hoch zieht. Da der riesige Ast unter erheblicher Spannung steht, kann der relativ kleine Kranwagen nicht allzu viel ausrichten. Ein paar kleinere Äste werden abgesägt, während das Rote Kreuz damit beginnt, die Kräfte vor Ort mit Getränken zu versorgen. Inzwischen sind an dem ICE einige Türen geöffnet. Die 239 Fahrgäste dürfen jedoch nicht aussteigen, sondern müssen erst mal geduldig warten. Da die Stromleitung beschädigt ist, kann der Zug können die Passagiere nicht schnell weitergeleitet werden, sagt Bahn-Pressesprecher Gerd Felser.
 
Die Reisenden, allesamt unverletzt, nehmen den unfreiwilligen Stopp gelassen hin. Durch ihr kooperatives Verhalten erleichtern sie dem Notfall-Manager der Bahn die Entscheidung, sie im Zug zu lassen. Die Fahrgäste lassen alles über sich ergehen und machen das Beste aus der Situation. Einige lassen sich von einem örtlichen Pizzabäcker mit Essen versorgen, das sie per Handy bestellen. Die Bahn zeigt sich kulant und reicht kostenlos Getränke und kleine Speisen aus dem Bordrestaurant, dessen Vorräte zu diesem Zweck komplett geplündert werden. Außerdem erhält jeder Reisende einen Reisegutschein über fünfzig Mark, um ihn für die Wartezeit zu entschädigen.
 
Neben Feuerwehr, Polizei, Technischem Hilfswerk Rüsselsheim und Groß-Gerau, DRK und Bahn AG sind auch Beamte des Bundesgrenzschutzes im Einsatz. Insgesamt zählt die Einsatzleitung 43 Hilfskräfte.
 
Eine Fahrspur der B 43 in Richtung Rüsselsheim ist inzwischen wieder für den Verkehr freigegeben. Auf dem Feldweg jenseits der Straße stehen mehrere Dutzend Schaulustige, die das Treiben am Bahndamm beobachten. Immerhin hat es inzwischen aufgehört zu regnen.
 
Als die Dämmerung hereinbricht, rückt ein großer Kranwagen eines privaten Krandienstes an. Um 20.36 Uhr gelingt es, den Zug mit Hilfe einer Diesellok unter dem Baum wegzuziehen. Der ICE kann seine Fahrt nach dreieinhalb Stunden Aufenthalt fortsetzen.
 
An der Unfallstelle dagegen herrscht weiter Hochbetrieb. Ein Arbeitstrupp der Bahn beginnt damit, die zerstörte Hochspannungsleitung wieder instand zu setzen. Das THW sorgt für die Beleuchtung. Es ist weit nach Mitternacht, bis die Arbeiten so weit erledigt sind, dass auf dem Gleis wieder Züge fahren können. Die Mitglieder der Feuerwehr sind noch bis in die Morgenstunden mit Aufräumarbeiten beschäftigt.
 
- Hans Dieter Erlenbach -


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