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Mannheimer Morgen ] 01.08.2000
13 Verletzte nach Blitzeinschlag
Camper erwischte das Regenchaos am Schlimmsten
SPLITTER: Niki Lauda muss nicht lange überlegen, bis ihm ein Rennen mit ähnlichen Wetterkapriolen einfällt: "Damals, als Didier Pironi im Regen
auf Alain Prost auffuhr, da war es ähnlich schlimm. Das muss 1982 gewesen sein", erinnert sich der Ferrari-Berater. Pironi überlebte damals
schwer verletzt. Obwohl die Handgriffe bei allen Rennen gleich sind, weiß der 51-Jährige, worauf es in Hockenheim besonders ankommt:
"Die Fahrer müssen auf das Wetter schauen - die falschen Reifen und das Rennen ist aus." Stopp-and-Go-Verkehr musste der Chef von
Lauda-Air bei seiner Anreise nicht befürchten, "ich bin selber her geflogen, nach Speyer."
Mit dem Besucheransturm und den Wassermassen zu kämpfen, hatte dagegen Michael Binding. "Der Keilriemen hat schon komische
Geräusche von sich gegeben", so der Fahrer einer der Shuttle-Busse, als sich sein Wagen den Weg durch das 50 Zentimeter hohe Wasser gebahnt
hat. Der Göttinger pendelt zwischen den Parkplätzen und dem Fahrerlager und hat ein derartiges Unwetter noch nicht erlebt. Als die
Unterführungen hüfthoch voll gelaufen waren, "mussten wir über die Rennstrecke rausfahren". Mit Tempo 120 war er unterwegs und bringt
den Formel-1-Piloten nach seiner Ring-Premiere "noch mehr Hochachtung entgegen". Mitleid hat Binding dagegen mit den Campern.
"Die sind ja förmlich abgesoffen." Für einige kam es noch schlimmer. 13 der fast 20 000 Zeltbewohner mussten in Krankenhäusern behandelt
werden: Ein Blitz hatte in der Nähe eingeschlagen, die elektrische Energie wurde über den nassen Boden abgeleitet, so dass die Fans
leichte bis mittelschwere Verbrennungen davon trugen. Mittlerweile sind sie wieder aus den Kliniken entlassen.
Bis tief in die Nacht zum Samstag waren die Feuerwehrleute und die Fahrer der Automobil-Notdienste in Einsatz. Massenweise im Schlamm
stecken gebliebene Fahrzeuge waren zu bergen, dazu Pkw, deren Elektrik mit den Wassermassen einfach nicht fertig wurden. "Drei
Lichtmaschinen habe ich am Abend gewechselt und Autos 60 Meter weit aus dem Wald herausgezogen. Und das geht immer so weiter",
erzählte ADAC-Fahrer Peter Stuhlfauth aus Kronau. Normalerweise sind wir mit zwei Mann im Einsatz, diesmal müssen vier durcharbeiten."
Viel Prominenz aus Show und Politik war im Fahrerlager unterwegs, wie zum Beispiel Christina Rau, die Frau des Bundespräsidenten. Gut
gelaunt und relaxt zeigte sich Pop-Barde Chris de Burgh. Als Ire natürlich bestens bewandert mit regnerischem Wetter, zeigte der Sänger
Mitgefühl mit den Fans an der Strecke und auf den Campingplätzen. "Das erinnert mich ein wenig an Silverstone in diesem Jahr. Auch dort
war es so schrecklich verregnet", meinte de Burgh. Zum dritten Mal ist er bereits in Hockenheim zu Gast und hat natürlich von den
Vertragsgesprächen gehört. "Wenn das nicht klappen würde, wäre es wirklich schade. Hockenheim hat eine ähnliche Tradition wie
Silverstone in England - auch dort gibt es ja Pläne für einen Wechsel nach Brands Hatch. So wie hier der Lausitzring im Gespräch ist. Aber
das wäre nicht dasselbe, die Atmosphäre in Hockenheim ist einfach besonders." Die lobten auch die Formel-1-Piloten. "Die
Stadionatmosphäre ist einzigartig. Es wäre schön, wenn wir das beibehalten könnten", betonte Michael Schumacher, gab aber zu
Bedenken: "Eine gewisse Veränderung würde der Strecke gut tun."
- sko/jako -
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