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  [ Berliner Morgenpost ] 04.07.2000

Schwere Unwetter verursachten Verkehrs-Chaos und Millionenschäden

Schwere Unwetter mit Sturmböen, Hagel und sintflutartigen Regenfällen haben in der Nacht zu gestern in der Mitte und im Süden Deutschlands Millionenschäden und ein Verkehrs-Chaos angerichtet. Mindestens fünf Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Sowohl auf den Straßen als auch bei der Bahn kam es infolge umgestürzter Bäume und Überschwemmungen zu erheblichen Behinderungen und zu Unfällen.
 
Die Sturmböen, die im Südwesten Orkanstärke bis zu 140 Kilometer pro Stunde erreichten, entwurzelten Bäume, deckten Dächer ab und beschädigten unzählige Fahrzeuge. Örtlich fielen bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter. Vielerorts brach die Stromversorgung zusammen.
 
Im Rhein-Main-Gebiet war der Bahnverkehr massiv gestört, was Verspätungen in ganz Deutschland zur Folge hatte. Umgestürzte Bäume beschädigten die Oberleitungen der beiden zentralen Nord-Süd-Verbindungen zwischen Frankfurt und dem Rhein-Neckar-Raum, berichtete Bahnsprecher Gerd Felser. Passagiere saßen stundenlang in ihren Zügen fest, die mitten auf der Strecke anhalten mussten. «Rund um Frankfurt ging für zwei, drei Stunden nichts mehr.» Der Frankfurter Flughafen konnte von den Fernzügen aus Richtung Westen nicht mehr angefahren werden. Auf der Strecke von Frankfurt/Main nach Paris kam es zu Verspätungen von bis zu 16 Stunden.
 
Feuerwehr und Technisches Hilfswerk mussten auch gestern noch unzählige voll gelaufene Keller und Geschäftsräume auspumpen und von Bäumen eingekeilte Autos freilegen.
 
Im Saarland wurde ein Fahrradfahrer bei Merzig von einer umstürzenden Pappel schwer verletzt. In Bayern zog sich in Altenschönbach im Landkreis Kitzingen ein Mann schwere Verletzungen zu, als er auf dem Dach seines Hauses eine Plane sichern wollte und dabei von einem einstürzenden Schornstein getroffen wurde. In Nordrhein-Westfalen, wo die Gewitter zuerst wüteten, mussten in Gelsenkirchen 50 Menschen kurz vor Mitternacht aus ihren Wohnungen evakuiert werden. Ein Blitz hatte den Dachstuhl eines vierstöckigen Mehrfamilienhauses in Brand gesetzt. Die Flammen griffen auf zwei Nachbarhäuser über. Auch in Hessen und Rheinland-Pfalz hinterließen Gewitter und Sturm schwere Verwüstungen. Allein in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden musste die Feuerwehr zu rund 300 Einsätzen ausrücken, in Frankfurt am Main rund 120 Mal. Bäume knickten ab, versperrten Straßen und beschädigten zahllose Autos.
 
Im oberpfälzischen Thannhausen brannte ein Stall nach Blitzeinschlag komplett nieder. Acht Tiere kamen dabei ums Leben. Der Sachschaden wird auf 500 000 Mark geschätzt.


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